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Welche Chancen sehen Sie aktuell zur Entkoppelung des Strom- vom Gaspreis?

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Michael Kellner
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Frage von Thomas H. •

Welche Chancen sehen Sie aktuell zur Entkoppelung des Strom- vom Gaspreis?

Sehr geehrter Herr Kellner,
noch vor vier Monaten warnten Sie vor einem Oligopol im Strommarkt und riefen im Januar im Plenum zu Energiesouveränität und Steigerung der Erneuerbaren Energie auf. Hatte Robert Habeck noch die Entkoppelung des Strompreises anvisiert, arbeitet die jetzige BMWi Frau Reiche vehement und zur Freude der Öl-, Gas- und Stromlobby an der Vermehrung von Gaskraftwerken und der Restriktion der emmisionsfreien Stromerzeugung. Die Zuschüsse zum Netzentgelt - in Eigenlob als Wohltat für die privaten Haushalte dargestellt - sind letztlich mit der explosiven Erhöhung der Öl- und Gaspreise verpufft. Die Gaslobby mit rund 10-prozentigem Anteil diktiert den Strommarkt als Preistreiber.
Wo in der EU der Anteil der Erneuerbaren Energie stetig steigt und Öl und Gas sich gleichermaßen und auch zu zukünftig verteuern, wäre eine Entkoppelung jetzt eigentlich in aller Interesse.
Welche Chancen messen Sie dieser Entkoppelung bei?
Freundliche Grüße T.H.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Guten Tag Herr H.,

sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Die reinen Erzeugungskosten der Erneuerbaren Energie liegen bei 5 - 10ct/kWh, gleichzeitig liegt der Preis, den Stromkundinnen und Kunden zahlen, eher im Bereich von 30 ct/kWh. 

Die Preisvorteile der Erneuerbaren Energien müssen stärker bei den Menschen und Unternehmen ankommen als bisher. Dafür können wir mehrere Sachen tun: Die Senkung der Stromsteuer wurde von Union und SPD angekündigt, bisher aber nicht umgesetzt. Wir würden es begrüßen: Das macht das Gute billiger und den Ausstieg aus fossilem Öl und Gas attraktiver. Zweitens würde auch eine konsequente Digitalisierung und kluge Auslastung unserer Stromnetze helfen, die Netzentgelte und damit die gezahlten Strompreise der Haushalte und Unternehmen zu senken. Drittens hilft eine weitere Verbreitung smarter Tarife mit dynamischen Preisen den Haushalten mit viel Flexibilität (etwa einer Wärmepumpe oder einem E-Auto), ihre Stromkosten deutlich zu senken. Zu all dem kommt hinzu, was sie ansprechen: Stromkunden sollten nicht abgezockt werden. Wenn Gaskraftwerke zur Deckung der Stromnachfrage gebraucht werden, und die Gaspreise hoch sind, setzt das den gesamten Strompreis, obwohl viele Erzeuger niedrigere Kosten haben. Das ist gerade in Krisenzeiten ein Problem, da gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Als Grüne sind wir offen für eine gezielte Weiterentwicklung des Strommarktdesigns. Wichtig ist mir, dass dabei sinnvolle und durchdachte Lösungen gewählt werden. Dass grundsätzlich Stromerzeugungsanlagen dem Preis nach zugeschaltet werden, wobei die günstigsten zuerst den Zuschlag bekommen, das ist sinnvoll und sollte so bleiben. 

Darüber hinaus wollen wir die Preisvorteile der Erneuerbaren auch durch einen Solarbonus weitergeben: Jeder Haushalt und jeder Betrieb soll an 600 Stunden im Jahr kostenlos von Solarstrom profitieren, der in den mittäglichen Sommerstunden schon jetzt im Überfluss vorhanden ist https://klimareporter.de/strom/gruener-solarbonus-trifft-auf-stromsystem

 

Viele Grüße

Michael Kellner 

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