Planen Sie im Rahmen der Notfallreform die berufsrechtliche Approbation für Notfallsanitäter sowie eine zweijährige RS-Ausbildung, um fiskalische Ineffizienz und Ressourcenfehlsteuerung zu beenden?
Als B.Sc. Psychologin und Rettungssanitäterin (RTW/KTW/ITW) belege ich empirisch eine signifikante Linksschiefe der psychophysischen Belastung im Einsatzdienst. Die defizitäre Psychotherapiereform induziert eine massive Fehlallokation: Psychiatrische Notfallbilder (z. B. dissoziative Störungen) werden mangels ambulanter Akutstrukturen systemisch fehlgeleitet. Ein Transport generiert Systemkosten von 800–1.600 € – oft mehrfach wöchentlich pro Patient –, ohne kausale therapeutische Intervention. Diese pathogene „Low Control“-Konstellation führt zu strukturellem Verschleiß und konterkariert eine nachhaltige Erwerbsbiografie. Meine Forschung (Masterarbeit) fordert eine evidenzbasierte Reform: Die berufsrechtliche Approbation für Notfallsanitäter zur rechtssicheren SGB V-Disposition sowie eine zweijährige RS-Ausbildung zur Steigerung der klinischen Kompetenz und Schaffung durchlässiger Bildungsbiografien (Studium ohne Abitur nach 5 Jahren Praxis). Wie korrigieren Sie diese Evidenzdefizite?
Sehr geehrte Frau K.,
vielen Dank für Ihre Eingabe und Ihre Rückmeldung aus der Praxis des Rettungsdienstes.
Auch und gerade Menschen mit psychischen Krisen müssen notallmäßig gut und passend versorgt werden. Fehlsteuerungen müssen hier unbedingt reduziert werden. Da stimme ich Ihnen selbstverständlich zu.
Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter haben bereits heute ein eigenständiges Berufsbild mit einer hoch qualitativen dreijährigen Ausbildung. Ob die von Ihnen vorgeschlagene Approbation die Lösung im Rahmen der genannten Reform der Notfallversorgung ist, die das Bundeskabinett Ende April auf den Weg gebracht hat, sehe ich skeptisch.
Bei der Notfallreform soll es vor allem darum gehen, Patienten besser zu steuern, Rettungsdienste und Notaufnahmen zu entlasten und Kosten einzusparen. Vor allem kommt es dabei auf eine bessere Steuerung und Organisation, digitale Vernetzung und klare Zuständigkeiten und die Bereitstellung von belastbaren Akutstrukturen an.
Ihnen danke ich für Ihr persönliches und wissenschaftliches Engagement für den Rettungsdienst sehr herzlich und verbleibe
mit freundlichen Grüßen,
Patricia Lips
