Hallo Herr Herr, wie erklären Sie Ihr Engagement für die AfD angesichts der wiederholten Vorwürfe, die Partei bediene sich faschistischer Sprache und gefährde die Demokratie?
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Frage. Ich nehme solche Vorwürfe ernst, halte es aber für notwendig, sie differenziert zu betrachten und nicht pauschal zu übernehmen.
Zunächst ist festzuhalten: In einer pluralistischen Demokratie ist es vollkommen legitim, unterschiedliche politische Auffassungen zu haben – und auch, dass man nicht in allen Fragen zusammenkommt. Problematisch wird es jedoch dort, wo politische Auseinandersetzung zunehmend über moralische Zuschreibungen statt über Inhalte geführt wird.
Ich beobachte seit Jahren, dass insbesondere aus dem linken politischen Spektrum heraus alltägliche Begriffe oder Redewendungen reflexhaft in einen extremistischen Kontext gestellt werden. Diese Art der Argumentation dient aus meiner Sicht häufig weniger der sachlichen Auseinandersetzung, sondern eher der Delegitimierung politischer Positionen. Statt über konkrete Probleme zu sprechen, wird Gesinnung unterstellt; statt Ursachen zu analysieren, wird der Diskurs selbst problematisiert.
Warum ich mich politisch engagiere – und warum auch viele andere Menschen diesen Weg gehen – hat damit zu tun, dass zentrale gesellschaftliche Fragen immer häufiger nicht mehr offen diskutiert werden können. Themen wie Migration, innere Sicherheit oder staatliche Steuerung werden moralisch überformt, statt nüchtern bewertet. Das empfinden viele Bürger als Bevormundung.
Ich lehne Extremismus, Faschismus und jede Form von Demokratiefeindlichkeit ausdrücklich ab. Mein Engagement ist vom Gegenteil geprägt: von der Überzeugung, dass Demokratie nur dann lebendig bleibt, wenn unterschiedliche Positionen offen vertreten, kritisiert und diskutiert werden können – ohne Ausgrenzung, ohne Etikettierung.
Dass sich unter diesen Bedingungen politische Gegenbewegungen bilden, ist keine Anomalie, sondern eine Reaktion auf wahrgenommene Einschränkungen des offenen Meinungsaustauschs. Eine starke Demokratie hält diesen Streit aus – und braucht ihn sogar.
