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Warum lehnt die CDU die Zuckersteuer ab mit dem Argument, die Bürger nicht bevormunden zu wollen? - Mit demselben Argument müsste sie auch Tabak-, Alkohol- und Mineralölsteuer ablehnen.

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Simone Borchardt
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Frage von Matthias R. •

Warum lehnt die CDU die Zuckersteuer ab mit dem Argument, die Bürger nicht bevormunden zu wollen? - Mit demselben Argument müsste sie auch Tabak-, Alkohol- und Mineralölsteuer ablehnen.

Sehr geehrte Frau Borchardt, Steuern (auch Verbrauchssteuern) stellen keine Bevormundung der Bürger dar, sondern sind zentrale politische Steuerungsinstrumente (deshalb "Steuern"!) des Staates.
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/steuern-und-finanzen-288/147061/grundsaetze-der-steuerpolitik/
Med. Allgemeinwissen und breitester fachwissenschaftlicher Konsens: Überkonsum von Zucker ist mitursächlich für zahlreiche chronische Erkrankungen - schon bei Kindern und Jugendlichen - mit entsprechenden gesundheitsökonomischen Folgen.
https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-01/zuckersteuer-grossbritannien-deutschland-zuckerkonsum-gesundheit
Maßnahmen zur gesundheitl. Aufklärung, zur freiwilligen Selbstverpflichtung der Lebensmittel- und Getränkeindustrie seit 2015 zeitigten nicht die notwendigen Effekte hinsichtlich der Reduktion des Zuckerkonsums in Deutschland.
https://www.septodont.de/media-content/ruf-nach-zuckersteuer-wissenschaftsrat-und-leopoldina-geben-zahnarzten-ruckendeckung

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Sie sprechen einen wichtigen Punkt an. Steuern können durchaus eine steuernde Wirkung entfalten, das zeigt sich bereits bei Tabak, Alkohol oder Energie. Gleichzeitig muss jede Maßnahme sorgfältig abgewogen werden, insbesondere wenn sie in das Konsumverhalten der Menschen eingreift.

In der politischen Debatte wird häufig der Eindruck erweckt, es gehe bei einer sogenannten Zuckersteuer darum, Bürgerinnen und Bürger zu bevormunden. Diese Sicht teile ich so nicht. Aus meiner Perspektive muss der Schwerpunkt vielmehr auf der Verantwortung der Hersteller liegen. Deshalb spreche ich bewusst von einer Zuckerabgabe, die vor allem dort ansetzt, wo die Ursachen entstehen, nämlich bei stark zuckerhaltigen industriell hergestellten Lebensmitteln und Getränken.

Der übermäßige Zuckerkonsum ist mitverantwortlich für eine Reihe chronischer Erkrankungen wie Adipositas, Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Entwicklungen betreffen zunehmend auch Kinder und Jugendliche. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, dass freiwillige Selbstverpflichtungen der Lebensmittelindustrie die notwendigen Veränderungen nur begrenzt vorangebracht haben.

Eine Zuckerabgabe kann deshalb ein Instrument sein, um die Industrie stärker in die Verantwortung zu nehmen. Ziel wäre nicht, den einzelnen Verbraucher zu bestrafen, sondern Anreize für Hersteller zu schaffen, Rezepturen zu verändern und den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich zu reduzieren. Internationale Beispiele zeigen, dass genau dieser Effekt eintreten kann. In Großbritannien etwa haben zahlreiche Getränkehersteller ihre Produkte bereits vor Inkrafttreten der Abgabe reformuliert und den Zuckergehalt gesenkt.

Für mich steht daher ein gesundheitspolitischer Ansatz im Vordergrund: Prävention stärken, bessere Ernährungsbildung ermöglichen, transparente Kennzeichnung schaffen und die Lebensmittelindustrie stärker in die Pflicht nehmen. Eine gezielt ausgestaltete Zuckerabgabe kann dabei ein Baustein sein, um gesundheitliche Folgekosten zu reduzieren und gleichzeitig Innovationen bei gesünderen Produkten zu fördern.

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