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Warum sprechen Sie in der Diskussion um Kürzungen in der Psychotherapie von der Notwendigkeit der Einsparung, obwohl belegt ist, dass jeder investierte Euro 2-4€ zurückbringt?

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Simone Borchardt
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Frage von Anja L. •

Warum sprechen Sie in der Diskussion um Kürzungen in der Psychotherapie von der Notwendigkeit der Einsparung, obwohl belegt ist, dass jeder investierte Euro 2-4€ zurückbringt?

In einer Studie der TK wurde gezeigt, dass PT gesundheitlich wichtig und wirksam, sowie wirtschaftlich ist.Jeder investierte Euro in die PT bringt 2 bis 4 Euro zurück, in dem bspw Menschen wieder ins Arbeitsleben finden, bzw. Frühverentung verhindert und Klinikaufenthalte abgewendet werden können. Dementsprechend müsste eher die ambulante Versorgung ausgebaut werden, um die Folgekosten zu reduzieren. Ergänzend muss erwähnt werden, dass die Anzahl an Behandlungsplätzen jetzt schon nicht ausreicht, um eine angemessene und zeitnahe Versorgung zu gewährleisten. Eine der Realität angepasste Bedarfsplanung wäre hierfür sicherlich ein guter erster Schritt.

Der aktuelle Aufschrei unter Therapeuten ist als Sorge vor einer verschlechterten Versorgungslage nicht als Alarmismus und Hysterie zu sehen.

https://www.psychotherapeutenkammer-berlin.de/nachrichten/bptk-langzeitstudie-der-techniker-krankenkasse-belegt-psychotherapie-ist-nachhaltig

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Antwort von CDU

Ihre Sorge um Patientinnen mit peripartalen psychischen Erkrankungen nehme ich ernst. Gerade in Schwangerschaft, Geburt und früher Elternschaft kann eine verlässliche psychotherapeutische Versorgung entscheidend sein, für die Mutter, das Kind und die ganze Familie.

Gleichzeitig ist die von Ihnen gezogene Schlussfolgerung zu pauschal. Aus dem vorliegenden GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz folgt nicht automatisch, dass es weniger Therapieplätze geben muss. Es handelt sich um ein laufendes Gesetzgebungsverfahren auf Grundlage eines Referentenentwurfs, nicht um eine bereits abschließend beschlossene Regelung. 

Auch die FinanzKommission Gesundheit hat die Rückführung psychotherapeutischer Leistungen in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung nicht als unproblematische Maßnahme eingeordnet, sondern als Empfehlung der Kategorie B, also mit unsicheren oder potenziell negativen Auswirkungen auf Versorgung, Zugang oder Verteilungsgerechtigkeit. Genau deshalb gehört dieser Punkt sorgfältig parlamentarisch geprüft. 

Richtig ist auch: Der Koalitionsvertrag sieht eine Stärkung der mentalen Gesundheit junger Menschen vor, insbesondere durch Prävention, Früherkennung, niedrigschwellige Beratung und eine bessere Verzahnung von Bildung, Jugendhilfe und Gesundheit. Eine pauschale und dauerhafte Herausnahme eines einzelnen Leistungsbereichs aus jeder Form der Finanzsteuerung ist dort jedoch nicht zugesagt. 

Die gesetzliche Krankenversicherung steht insgesamt unter erheblichem Finanzdruck. Es wäre unseriös, so zu tun, als könne ein Bereich vollständig ausgeklammert werden, während Versicherte, Arbeitgeber, Krankenkassen, Krankenhäuser, Arzneimittelhersteller, Heilmittelerbringer, Ärztinnen und Ärzte sowie andere Leistungserbringer ihren Beitrag leisten sollen. Der Entwurf verfolgt ausdrücklich das Ziel, die Ausgabendynamik in allen Bereichen zu begrenzen und gleichzeitig ein hohes Versorgungsniveau zu erhalten. 

Für mich ist deshalb entscheidend: Psychotherapie bleibt ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Besonders vulnerable Patientengruppen, darunter Kinder, Jugendliche, schwer psychisch Erkrankte und Mütter mit peripartalen Erkrankungen, dürfen nicht aus dem Blick geraten. Aber die Antwort kann nicht lauten, jede bestehende Vergütungsstruktur dauerhaft von Reformen auszunehmen. Entscheidend ist, dass knappe Beitragsmittel zielgenau dort eingesetzt werden, wo medizinischer Bedarf besteht und Versorgung tatsächlich verbessert wird.

Ich werde mich im parlamentarischen Verfahren dafür einsetzen, dass mögliche Auswirkungen auf Wartezeiten, regionale Versorgung und besonders schutzbedürftige Patientengruppen sorgfältig bewertet werden. Eine pauschale Zusage, psychotherapeutische Leistungen dauerhaft von jeder Budgetsteuerung auszunehmen, kann ich nicht geben. Eine verantwortliche Gesundheitspolitik muss Versorgung sichern und zugleich die Finanzierbarkeit der gesetzlichen Krankenversicherung im Blick behalten.

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