Label
Wie rechtfertigen Sie die Budgetierung in der Psychotherapie, die laut Experten die Versorgungssicherheit in der Fläche massiv gefährdet?

Portrait von Simone Borchardt
Simone Borchardt
CDU
99 %
110 / 111 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Silvia H. •

Wie rechtfertigen Sie die Budgetierung in der Psychotherapie, die laut Experten die Versorgungssicherheit in der Fläche massiv gefährdet?

Sehr geehrte Frau Borchardt, als Sprecherin Ihrer Fraktion tragen Sie Mitverantwortung für die Ausgestaltung des GKV-Gesetzes. Die Budgetierung konterkariert den notwendigen Ausbau der psychischen Gesundheitsvorsorge. Wir Behandler in der Region brauchen Planungssicherheit statt Sparzwang. Bitte setzen Sie sich dafür ein, die Psychotherapie dauerhaft von diesen Budgetdeckeln zu befreien.

Hier Info-Artikel:

https://www.hna.de/lokales/hann-muenden/hann-muenden-ort60343/psychotherapeutin-warnt-das-wuerde-viel-kaputtmachen-94278092.html

https://couch-und-agora.de/angriff-psychotherapeutische-versorgung-2026/

Portrait von Simone Borchardt
Antwort von CDU

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich nehme Ihre Sorge um die psychotherapeutische Versorgung ernst. Psychische Erkrankungen sind keine Randfrage, sondern ein relevanter Teil der gesundheitlichen Versorgung. Gerade in ländlichen Räumen müssen Patientinnen und Patienten verlässlich Zugang zu Hilfe bekommen.

Die von Ihnen verlinkten Beiträge zeigen nachvollziehbar, dass die Debatte in der psychotherapeutischen Versorgung mit großer Sorge geführt wird. Der HNA-Beitrag beschreibt die Perspektive niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychiaterinnen in Nordhessen, die bereits jetzt von hoher Nachfrage, Ablehnungen von Patientinnen und Patienten sowie Nachwuchsproblemen berichten. Auch der Beitrag von „Couch & Agora“ ordnet die geplanten Maßnahmen sehr kritisch ein und verweist unter anderem auf die Honorarabsenkung psychotherapeutischer Leistungen zum 1. April 2026 sowie auf die Sorge, dass Psychotherapie wieder stärker in budgetierte Strukturen zurückgeführt werden könnte. Der Beitrag ist allerdings klar als fachpolitischer und berufspolitischer Einspruch formuliert, nicht als neutrale Gesetzesbewertung. Das muss man bei der Einordnung berücksichtigen. 

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die gesetzliche Krankenversicherung steht insgesamt unter erheblichem finanziellen Druck. Der Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums verweist auf ein Defizit von knapp 10 Milliarden Euro im Jahr 2024 und auf stark belastete Rücklagen der Krankenkassen. Diese Lage kann die Politik nicht ignorieren. Beitragssätze dürfen nicht immer weiter steigen, ohne dass auch die Ausgabenseite ernsthaft überprüft wird.

Deshalb halte ich es nicht für seriös, einzelne Leistungsbereiche von vornherein vollständig aus jeder Reformdebatte herauszunehmen. Psychotherapie ist wichtig, aber sie steht nicht außerhalb des Gesamtsystems. Auch Krankenhäuser, Arzneimittel, Heilmittel, Hilfsmittel, Verwaltungskosten, digitale Anwendungen und andere Leistungsbereiche müssen ihren Beitrag zur Stabilisierung leisten. Entscheidend ist nicht, ob gespart wird, sondern ob klug, verhältnismäßig und versorgungssicher gesteuert wird.

Ich sehe zugleich sehr klar, dass Psychotherapie kein beliebig kürzbarer Bereich ist. Lange Wartezeiten, regionale Unterversorgung und fehlende Planungssicherheit dürfen nicht verschärft werden. Deshalb werde ich im parlamentarischen Verfahren genau darauf achten, ob die vorgesehenen Regelungen in der Fläche zu Versorgungsabbrüchen, längeren Wartezeiten oder einer Verlagerung in private Behandlungsangebote führen könnten. Besonders sensibel ist die Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Menschen in schweren psychischen Krisen.

Eine dauerhafte pauschale Herausnahme der Psychotherapie aus allen Budgetmechanismen kann ich Ihnen gegenwärtig nicht zusagen. Das wäre vor Abschluss der Beratungen nicht redlich. Ich kann aber zusagen, dass ich mich dafür einsetzen werde, dass die psychotherapeutische Versorgung nicht durch handwerklich schlechte Regelungen geschwächt wird. Reformen müssen finanzierbar sein, aber sie dürfen nicht dazu führen, dass notwendige Versorgung in der Fläche ausgedünnt wird.

Mein Maßstab ist daher klar: Beitragsstabilität ja, aber nicht durch blinde Kürzungen. Planungssicherheit ja, aber eingebettet in ein insgesamt tragfähiges GKV-System. Psychotherapie bleibt ein wichtiger Teil der Versorgung, sie ist aber Teil eines Systems, das insgesamt wieder finanziell und strukturell auf stabile Füße gestellt werden muss.

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Simone Borchardt
Simone Borchardt
CDU

Weitere Fragen an Simone Borchardt