Warum sollen neue Versorgungsstrukturen aufgebaut werden, statt bestehende ambulante Pflegedienste zu stärken, die Patienten und Angehörige bereits kennen und Versorgung vor Ort sicherstellen?
Sehr geehrte Frau Dornia, als ambulanter Pflegedienst erleben wir täglich, welchen Wert eine kontinuierliche Versorgung hat. Unsere Pflegekräfte kennen die Pflegebedürftigen, ihre Gewohnheiten, Bedürfnisse und ihr häusliches Umfeld. Gleichzeitig besteht zu den pflegenden Angehörigen häufig ein über längere Zeit gewachsenes Vertrauensverhältnis. Gerade bei Verhinderungspflege und Beratung ist diese Kenntnis ein großer Vorteil. Deshalb sehen wir die Schaffung neuer paralleler Versorgungsstrukturen kritisch. Sie benötigen zusätzlich Pflegefachpersonal aus einem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt, ohne dadurch neue Fachkräfte zu schaffen. Aus unserer Sicht wäre es sinnvoller, vorhandene ambulante Strukturen zu stärken und deren Kompetenzen zu nutzen, statt neue Strukturen aufzubauen, die mit bestehenden Diensten um Personal konkurrieren und die Versorgung durch bislang unbekannte Kräfte übernehmen.
Sehr geehrte Fethi K.,
Vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie Ihre Einschätzung und Ihre persönlichen Erfahrungen mit uns teilen. Die vielen Zuschriften aus der Praxis und von Betroffenen zeigen sehr deutlich, wie groß die Verunsicherung über die derzeit diskutierten Änderungen im Rahmen des Pflegeneuordnungsgesetzes ist.
Da es sich bisher nur um einen Referentenentwurf handelt, gehen wir davon aus, dass noch einige Anpassungen an dem Entwurf vorgenommen werden. Grundsätzlich halten wir die Idee einer Pflegebegleitung für sinnvoll. Sie darf aber nicht bestehende und bewährte Strukturen ersetzen oder verdrängen.
Aus unserer Sicht enthält der aktuelle Entwurf zwar einzelne richtige Ansätze – etwa die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation oder Verbesserungen bei der Unterstützung in pflegerischen Akut- und Notsituationen. Gleichzeitig sehen wir aber erhebliche Probleme bei den Maßnahmen zur Finanzierung der Pflegeversicherung.
Kritisch ist vor allem, dass die Bundesregierung die finanzielle Stabilisierung der Pflegeversicherung an vielen Stellen über Leistungskürzungen oder zusätzliche Belastungen für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und Beitragszahlende erreichen will. Statt die dringend notwendige Strukturreform anzugehen und die Finanzierungsbasis der Pflegeversicherung gerechter aufzustellen, werden Lasten verlagert.
Für uns ist klar: Die Pflegekosten dürfen nicht zunehmend auf Pflegebedürftige und ihre Angehörigen abgewälzt werden. Wer pflegt oder auf Pflege angewiesen ist, braucht Verlässlichkeit und Unterstützung. Deshalb werden wir den Gesetzentwurf im parlamentarischen Verfahren kritisch begleiten und uns für notwendige Verbesserungen einsetzen.
Mit freundlichen Grüßen
Simone Dornia
