Wie ist Ihre Position zum Thema Widerspruchslösung zur Organspende?
Sehr geehrter Herr Möller,
momentan wird im Bundestag das Thema Widerspruchslösung zur Organspende diskutiert. Da ich ein Bürger aus Ihrem Wahlkreis bin, erlaube ich mir Ihnen stark eingekürzt meine Geschichte darstellen. Ich bin Vater zweier Söhne, welche bedingt durch ein Gen-Defekt mit Mitte 20 die Funktion ihrer Nieren verloren. Der Ältere bekam eine Niere von seiner Ehefrau, der Jüngere von mir. Ich hab ihn eine Niere gespendet, weil ich ihm 10-12 Jahre Wartezeit an der Dialyse ersparen wollte. Ich bin auch ehrlich, ich hatte eine scheiß Angst vor diesem Eingriff, bei dem aus einem gesunden Körper ein gesundes Organ herausgeschnitten wurde, welches ich, wer weiß das schon, in vielleicht 20 Jahren auch gut hätte gebrauchen können. Da der Gen-Defekt von meiner Frau kommt, arbeiten wir darauf hin Deutschland zu verlassen, weil ich meiner Frau keine 10-12 Jahre Dialyse zuzumuten. Wieder zwei deutsche Fachkräfte weg. Ist das wirklich das, was die AfD will?
Viele Grüße
Thomas S.
Sehr geehrter Herr S.,
ich kann aufgrund des Schicksals Ihrer Familie gut nachvollziehen, wenn Sie auf die Durchsetzung der Widerspruchslösung hoffen, um so dem Organmangel entgegenzuwirken. Ich könnte insofern allerdings nicht folgen: Die Organentnahme gegen Ende des Lebens ist ein derart gravierender Eingriff, dass er nur auf einer freiwilligen und bewussten Entscheidung eines Menschen erfolgen kann.
Sie haben mich auf Ihrer Seite, wenn es darum geht, hunderte Milliarden Euro in medizinische Forschung, Genetik und die Entwicklung von Ersatzorganen zu investieren, statt in Aufrüstung oder Klimatransformationsmaßnahmen. Aber ich werde niemals einer Widerspruchslösung zustimmen, bei der das Einverständnis zur Organentnahme stillschweigend vorausgesetzt wird.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute.
Freundliche Grüße
Stefan Möller
