80% der Bäume sind krank. Ihr CSU-Vorgänger Zimmermann handelte einst bei 34% historisch entschlossen. Herr Minister, wie wollen Sie dieses Erbe antreten und das stille Sterben unserer Heimat beenden?
Sehr geehrter Herr Bundesminister Rainer,
der aktuelle Waldzustandsbericht ist eindeutig: Vier von fünf Bäumen (80%) sind krank. Schlimmer als der Ist-Zustand ist die Dynamik: Das Sterben beschleunigt sich rasant. Ein System ohne Reserven kippt schneller.
In den 80ern handelte Ihr Vorgänger Friedrich Zimmermann bei 34% Schäden. Er erkannte: Wenn die Substanz gefährdet ist, muss man eingreifen. Man mag sich kaum vorstellen, wo wir heute stünden, wenn er damals nicht die Kraft gehabt hätte, gegen Widerstände zu handeln. Wir zehren bis heute von diesem Mut.
Doch dieses Polster ist aufgebraucht. Wir Bürger sind hilflose Zuschauer des Verfalls. Sie aber sind kein gewöhnlicher Zuschauer. Sie sitzen im Ministerium und haben als Einziger die Hebel in der Hand. Wenn der "Heimatminister" bei diesen Zahlen nur beobachtet, ist das eine Entscheidung für den Verlust.
Haben Sie einen Plan, der dieser Dynamik gerecht wird? Werden Sie das Erbe antreten, bevor die Substanz unwiderruflich wegbricht?
Sehr geehrter Herr K.,
vielen Dank für Ihre Anfrage zum Zustand unserer Wälder. Das Thema liegt mir (ich bin selbst Waldbesitzer) sehr am Herzen.
Die Waldzustandserhebung 2024 sehe ich als „Weckruf“, wir brauchen auch für die nach uns folgende Generationen gesunde, stabile Wälder. Denn der Vergleich mit den 1980er Jahren macht deutlich, dass sich die Herausforderungen grundlegend gewandelt haben. Heute geht es um eine langfristige Anpassung der Wälder an veränderte klimatische Bedingungen. Zentrales Ziel der Bundesregierung ist daher der Umbau hin zu klimastabilen, artenreichen und standortgerechten Mischwäldern.
Deshalb handelt die Bundesregierung entschlossen und unterstützt die Waldbesitzenden gezielt, insbesondere über die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz sowie den Aktionsplan Natürlicher Klimaschutz. Mit dem Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ werden seit 2022 zusätzliche Klima- und Biodiversitätsleistungen im Wald langfristig honoriert. Bereits über 20 Prozent des Privat- und Kommunalwaldes in Deutschland werden darüber erreicht. Trotz angespannter Haushaltslage wurden die Mittel für das Programm im Jahr 2025 auf insgesamt 148,5 Mio. Euro jährlich aufgestockt, um weitere private und kommunale Waldbesitzende bei der Anpassung ihrer Wälder an den Klimawandel, in Ergänzung zu den GAK-Waldmaßnahmen, zu unterstützen.
Mit der nächsten „kleinen Bundeswaldinventur“ im Jahr 2027 soll der Zustand der Wälder in einem regelmäßigen Fünfjahreszyklus weiter beobachtet werden, um Risiken frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen gezielt anzupassen.
Die genannte Waldzustandsergebung zeigt auch, dass trotz anhaltend hohen Schadniveaus bei einzelnen Baumarten erste positive Entwicklungen erkennbar sind. Insbesondere dort, wo günstigere Witterungsbedingungen und angepasste Bewirtschaftung zusammentreffen.
Ich werde mich auch zukünftig dafür einsetzen, dass europäische Regelungen die Zuständigkeiten der Mitgliedstaaten respektieren, praxisgerecht ausgestaltet sind und den Waldumbau nicht durch zusätzliche Bürokratie behindern.
Freundliche Grüße
Alois Rainer
