Wieso ist die Gesundheitsversorgung von Familien nicht wichtig?
Sehr geehrte Frau Glöckner, als Wählerin aus Ihrem Wahlkreis beim GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 10.07 gegen Kürzungen bei der Versorgung von Kindern, Schwangeren und Familien zu stimmen. Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die ambulante und geburtshilfliche Versorgung nicht noch weiter unter Druck geraten.
Am persönlichen Beispiel ist dies schon heute der Fall, die Hebammengemeinschaft in unserem Kreis kann die gewünschte Versorgung nicht mehr abdecken - statt wöchentlicher Termine zur Akupunktur in Dahn kann ich nur alle 2 Wochen nach Pirmasens zur Akupunktur - das bedeutet Migräne ohne akute Hilfe, da ich keine Medikamente nehmen kann und Rückenschmerzen, die auch nur sporadisch behandelt werden. Unser Kinderarzt für die 2 Großen ist schon 30 min entfernt und Wartezeiten von 2 Stunden (was mit kranken Kids keinen Spaß macht) sind keine Seltenheit. Wobei die Ärzte, Schwestern und Pflege auf dem Zahnfleisch laufen, was nur Angst über mehr Ausfall bringt. Viele Grüße
Sehr geehrte Frau F.,
haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht und die Schilderung Ihrer persönlichen Situation. Ihre Erfahrungen zeigen, wie stark unsere medizinischen Fachkräfte, Hebammen sowie Bürgerinnen und Bürger belastet sind.
Zwischenzeitlich haben wir das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes am 10. Juli im Deutschen Bundestag verabschiedet. Als Ihre Abgeordnete ist es mir wichtig, Ihnen zu versichern: Wir wandeln unser Gesundheitssystem, das zwar teuer, aber oft nur mittelmäßig ist, konsequent in ein effizientes und patientenorientiertes System um. Um das drohende Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung von rund 18 Milliarden Euro im Jahr 2027 abzuwenden, sorgt dieses Gesetz für die notwendige finanzielle Stabilität.
Dabei ist es mir als Sozialdemokratin ein zentrales Anliegen, dass wir die Lasten solidarisch verteilen. Starke Schultern müssen mehr tragen. Wir vermeiden Leistungskürzungen sowie steigende Zuzahlungen und entlasten die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler spürbar. Konkret erreichen wir dies unter anderem durch:
- Die Anhebung der Versicherungspflichtgrenze, damit Gutverdiener länger in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben und der Wechsel in die private Versicherung erschwert wird.
- Einen gerechten Beitrag der Pharmaindustrie, der Krankenhäuser und weiterer Leistungserbringer.
- Die Begrenzung von Arzneimittelpreisen und die Deckelung von Verwaltungskosten.
- Die Abschaffung unwirksamer Sonderzahlungen für Arzttermine.
Besonders wichtig für Ihre Situation: Familien müssen geschützt werden. Deshalb bleibt die beitragsfreie Mitversicherung für Kinder vollständig erhalten. Auch für Familien mit Kindern bis zum siebten Lebensjahr oder für pflegende Angehörige bleibt die beitragsfreie Versicherung von Ehepartnerinnen und Ehepartnern unangetastet.
Mir ist bewusst, dass dieses Gesetz allein die strukturellen Probleme in der Geburtshilfe und der kinderärztlichen Versorgung im ländlichen Raum nicht sofort lösen kann. Es ist jedoch die finanzielle Grundlage, um die weiteren großen Strukturreformen – wie die Krankenhausreform und die Stärkung der Primärversorgung – voranzutreiben und so die wohnortnahe Betreuung wieder zu verbessern.
Mit freundlichen Grüßen
Angelika Glöckner, MdB
