Welche Altersperspektive haben junge Menschen heute. Ist Altersarmut das, worauf sich ein junger Mensch heute einstellen sollte? Kapitaldeckung ist ungerecht und schadet der Wirtschaft?
Sehr geehrte Frau Aeikens, ich möchte heute noch einmal über Rente sprechen. Soweit ich weiß, sind Sie die jüngste Abgeordnete im Bundestag, daher interessiert mich ihre Perspektive. Seit der Schröder Regierung ist das Rentenniveau massiv gekürzt worden, so dass ich heute meiner Tochter und anderen jungen Menschen sagen muss, dass sie mit den staatlichen 48% Rente nicht armutssicher sind. Beamte bekommen 70%, das finde ich richtig, in Österreich liegt das Rentenniveau auch etwa bei 70%. Nun höre ich, dass ihre Partei vorschlägt, mehr Kapitaldeckung zu machen. Dabei haben die unteren 40% der Gesellschaft kaum Ersparnisse. Wie sollen untere Einkommen selber für ihre Rente sparen? Die Umlagenrente fließt immer zurück in die Wirtschaft, Kapitaldeckung erhöht die deutsche Sparquote, richtig? Wie soll der Nachfrageausfall in der Wirtschaft kompensiert werden? Wie soll ich einem jungen Menschen erklären, das er zwar in die staatl. Rente einzahlt, aber vermutlich arm sein wird im Alter?
Sehr geehrter Herr T.,
haben Sie vielen Dank für Ihre Frage.
Zunächst: Ich bin nicht die jüngste Abgeordnete im Deutschen Bundestag, sondern „nur“ die jüngste in der CDU/CSU-Fraktion.
Die gesetzliche Rente ist eine wichtige Säule der Absicherung im Alter, die aber aufgrund der demografischen Entwicklungen einer Reform unterzogen werden muss. Die Bundesregierung hat deshalb eine unabhängige Rentenkommission eingesetzt, die Ende Juni ihre Vorschläge präsentieren wird, die dann parlamentarisch beraten werden. Die Rentenkommission nimmt dabei die gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge in den Blick. Eine Rentenkürzung ist derzeit gesetzlich ausgeschlossen.
Unabhängig von den noch ausstehenden Empfehlungen der Rentenkommission hat die Bundesregierung eine Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge verabschiedet, die zum 1. Januar 2027 startet und auch mit kleinen Beträgen bespart werden kann. Sie ersetzt die komplizierte und oft zu teure Riester-Rente und macht Sparen fürs Alter einfacher und günstiger. Bis zu einer Einzahlung von 360 Euro/Jahr bezuschusst der Staat jeden eingezahlten Euro mit 50 Cent. Für höhere Einzahlungen bis zu 1.800 Euro/Jahr gibt der Staat pro Euro 25 Cent dazu. Eltern bekommen für Einzahlungen bis zu 300 Euro pro Jahr und Kind für jeden Euro einen weiteren Euro als Zuschuss vom Staat. Auch Selbständige und Freiberufler werden gefördert. Sicherheitsorientierte Anleger können ihr Geld in Garantieprodukte anlegen, bei denen gewährleistet wird, dass mindestens 80 oder 100 Prozent des investierten Geldes zum Rentenbeginn verfügbar ist. Zudem wird ein einfaches und transparentes Standarddepot angeboten, dessen jährliche Effektivkosten auf 1 Prozent gedeckelt sind.
Gleichzeitig wollen CDU/CSU die Betriebsrente als weitere Säule der Altersvorsorge stärken, vereinfachen und entbürokratisieren.
Dass, wie Sie schreiben, Kapitaldeckung die Sparquote erhöht ist möglich, aber kein Automatismus, da Menschen gleichzeitig andere Ersparnisse reduzieren können.
Übrigens sollten bei dem häufig gemachten Vergleich mit dem österreichischen Rentensystem neben möglichen Vorteilen auch die entscheidenden Unterschiede bedacht werden: Zwar ist die durchschnittliche Rente in Österreich höher, allerdings erklärt sich dieses höhere Leistungsniveau durch höhere Beitragssätze (Österreich: 22,8%; Deutschland: 18,6%) und höhere Bundesmittel des österreichischen Staates. Weiterhin besteht in Österreich erst nach 15 Jahren Rentenanspruch (in Deutschland 5 Jahre) und die Möglichkeit einer abschlagsfreien Frührente, wie es in Deutschland aktuell ab einem Alter von 64 Jahren möglich ist, wurde in Österreich bereits vor einigen Jahren komplett abgeschafft. Weiterhin trägt in Österreich allein der Bund die finanziellen Risiken des Rentensystems. Allerdings gibt es in Österreich (gemessen an der Bevölkerung) auch mehr Beitragszahler durch eine jüngere Bevölkerungsstruktur und weil fast alle Berufsgruppen in die gesetzliche Rente einzahlen.
Mit freundlichen Grüßen
Anna Aeikens, MdB
