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Wo sollen Familien das Geld hernehmen, wenn die kostenlose Mitversicherung für Ehepartner wegfällt?

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Christos Pantazis
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Frage von Nadine K. •

Wo sollen Familien das Geld hernehmen, wenn die kostenlose Mitversicherung für Ehepartner wegfällt?

Familienversicherung für Ehepartner

Bisher ging ich davon aus, dass sich Krankenkassenbeiträge am Einkommen orientieren. Eine Ehe bildet eine wirtschaftliche Einheit und im BGB steht, dem Ehepaar steht es frei von einem Einkommen zu leben oder,dass beide mit ihrem Einkommen zum Lebensunterhalt beitragen. Wenn ein Ehepaar das Model des Einverdieners wählt, fällt der Ehepartner ohne eigenes Einkommen bisher in die Familienversicherung. Oftmals ist es so, dass ein Partner, sehr viel arbeitet und im Job Höchstleistungen erbringt. Oftmals sind diese Arbeitnehmer die größten Leistungsträger am Arbeitsmarkt. Der andere Partner unterstützt und übernimmt alles andere. Engagiert sich oft ehrenamtlich oder geht noch einer kleinen Arbeit auf Mini Job Basis nach. Ich finde es völlig abwegig diese Konstellation zu bestrafen? Viele werden in andere Sozialleistungen rutschen oder die es sich leisten können, werden in die private Krankenversicherung wechseln.

Ich bitte Sie dies gründlich zu überdenk

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Antwort von SPD

Sehr geehrte Frau K.,

haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre sehr anschauliche Schilderung eines Lebensmodells, das für viele Familien in Deutschland Realität ist. Sie sprechen einen zentralen Punkt an: die Frage, wie wir Erwerbsarbeit und familiäre Verantwortung fair und solidarisch miteinander in Einklang bringen.

Ich kann gut nachvollziehen, dass die diskutierten Änderungen bei der Familienversicherung gerade von Einverdienerhaushalten als Belastung empfunden werden. Denn eines ist für mich klar: Die beitragsfreie Mitversicherung ist kein Randthema, sondern ein tragender Bestandteil unseres solidarischen Gesundheitssystems.

Gerade die unbezahlte Care-Arbeit – insbesondere Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen, die noch immer überwiegend von Frauen geleistet wird – verdient besonderen Schutz und gesellschaftliche Anerkennung.

Gleichzeitig stehen wir vor erheblichen finanziellen Herausforderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Für das kommende Jahr wird ein Defizit von rund 15 Milliarden Euro erwartet. Vor diesem Hintergrund hat das Bundeskabinett am 29. April 2026 einen Entwurf für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgelegt.

Wichtig ist mir dabei: Dieser Entwurf ist noch nicht abschließend beschlossen, sondern wird nun im Deutschen Bundestag beraten und kann im parlamentarischen Verfahren verändert werden.

Der vorliegende Entwurf sieht vor, zentrale Schutzbereiche weiterhin abzusichern:

  • Kinder sollen grundsätzlich beitragsfrei versichert bleiben.
  • Eltern mit Kindern unter 7 Jahren sowie Eltern von Kindern mit Behinderung sollen weiterhin von zusätzlichen Beiträgen ausgenommen werden.
  • Auch pflegende Angehörige, Partner im Rentenalter sowie Ehepartner mit voller Erwerbsminderung sollen weiterhin beitragsfrei mitversichert bleiben.
  • Für Konstellationen außerhalb dieser Schutzregelungen ist derzeit ein zusätzlicher Beitrag in Höhe von 2,5 Prozent des Einkommens des versicherten Mitglieds vorgesehen.

Ich sage Ihnen aber ebenso offen: Diese Vorschläge entsprechen nicht in allen Punkten meiner persönlichen politischen Überzeugung. Mir ist es ein zentrales Anliegen, dass familiäre Lebensmodelle – wie das von Ihnen beschriebene – nicht einseitig belastet werden.

Deshalb werde ich mich im weiteren parlamentarischen Verfahren dafür einsetzen, dass entweder an der beitragsfreien Mitversicherung grundsätzlich festgehalten wird oder zumindest soziale Härten konsequent vermieden werden.

Langfristig bin ich überzeugt, dass wir die Frage der Beitragsgerechtigkeit umfassender angehen müssen. Dass unterschiedliche Systeme – gesetzlich und privat – zu sehr unterschiedlichen Belastungen führen, wird von vielen Menschen als ungerecht empfunden. Deshalb setze ich mich für eine solidarische Weiterentwicklung unseres Krankenversicherungssystems ein, in dem alle entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit beitragen.

Vielen Dank für Ihre wichtige und berechtigte Frage. Sie zeigt, wie relevant dieses Thema für viele Menschen ist – und genau das muss sich auch in den parlamentarischen Beratungen widerspiegeln.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Christos Pantazis, MdB

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