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Wie wollen Sie sicherstellen, dass die geplante AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der Telefon-AU psychisch und chronisch erkrankte Menschen nicht zusätzlich belasten?

Dirk Wiese, Kandidat der SPD für den 20. Deutschen Bundestag
Dirk Wiese
SPD
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Frage von Sebastian D. •

Wie wollen Sie sicherstellen, dass die geplante AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der Telefon-AU psychisch und chronisch erkrankte Menschen nicht zusätzlich belasten?

Sehr geehrter Herr Wiese,

Ich sehe die geplante Reform mit großer Sorge. Menschen mit psychischen oder chronischen Erkrankungen erleben trotz guter Behandlung immer wieder kurzfristige Phasen, in denen Arbeiten nicht möglich ist. Zusätzliche Hürden könnten dazu führen, dass Betroffene aus Scham, Angst oder Überforderung trotz Erkrankung arbeiten (Präsentismus), anstatt sich krankzumelden.

Zudem erscheint mir die Begründung der Reform nicht eindeutig. Der Anstieg der Krankmeldungen seit 2022 wird nach Einschätzung von Krankenkassen und Fachleuten auch auf die vollständigere Erfassung durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurückgeführt. Gleichzeitig liegt Deutschland im OECD-Vergleich bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten nicht an der Spitze. Vor diesem Hintergrund würde mich interessieren, wie diese Aspekte im Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt werden und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse den geplanten Maßnahmen zugrunde liegen.

Dirk Wiese, Kandidat der SPD für den 20. Deutschen Bundestag
Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr D.,

danke für Ihre Frage zur Pflicht zu Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab Tag 1, die der vergangene Koalitionsausschuss als eins der vielen Ergebnisse der Verhandlungen vorgelegt hat. 

Das Thema sorgt gerade für große Aufmerksamkeit und schürt Unsicherheiten bei Beschäftigten und Ärzten. Das kann ich gut verstehen. Allerdings muss auch gesagt werden, dass dies heute schon gefordert werden kann.

Die Ergebnisse des Koalitionsausschusses wollen wir in den kommenden Monaten im Bundestag umsetzen und über die konkrete Ausformung beraten. Dabei nehmen wir die Hinweise aus der Bevölkerung und den Ärzteverbänden ernst. Ich setze mich dabei dafür ein, dass wir pragmatische Lösungen finden, die auch besonders betroffene Gruppen wie chronisch Erkrankte erfassen, um diese nicht noch zusätzlich zu belasten. 

Zudem setzen wir uns dafür ein, dass abweichende Regelungen in Tarifverträgen oder im Arbeitsvertrag getroffen werden können. Auch Krankschreibungen per Online-Sprechstunde oder Video-Telefonie sollen weiterhin möglich sein. 

Beste Grüße

Dirk Wiese

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