Wie vereinbaren die Grünen ihre Klimaziele mit dem Ersatz russischen Erdgases durch LNG und Frackinggas, wenn dadurch zusätzliche Umwelt- und Klimabelastungen entstehen? (Quelle Wahlprogramm 2026)

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Erik Marquardt
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Frage von Hagen Uwe K. •

Wie vereinbaren die Grünen ihre Klimaziele mit dem Ersatz russischen Erdgases durch LNG und Frackinggas, wenn dadurch zusätzliche Umwelt- und Klimabelastungen entstehen? (Quelle Wahlprogramm 2026)

Sehr geehrter Herr Marquardt,

Hintergrund meiner Frage ist der Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und der seit 2022 veränderten Energieversorgung. Der Ersatz russischen Pipelinegases erfolgte u. a. durch zusätzliche LNG-Importe. Dabei können Förderung – insbesondere Fracking –, Methanemissionen, Verflüssigung, Schiffstransport und Regasifizierung die Treibhausgasbilanz erheblich beeinflussen.

relevante Quellen u.a.:

- Umweltbundesamt: Klimawirkung und Methanemissionen von Erdgas/LNG

- IEA: „Global Methane Tracker“

- IPCC: Klimawirkung von Methan und fossilen Energieträgern

- EU-Kommission: REPowerEU und Diversifizierung der Gasversorgung

Mich interessiert daher, ob die Grünen für ihre energiepolitischen Entscheidungen eine vollständige Lebenszyklusbilanz der verschiedenen Bezugsquellen zugrunde legen und wie daraus konkrete Konsequenzen für die Berliner Energie- und Klimapolitik abgeleitet werden.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr K., 
Vorab möchte ich kurz sagen, dass die Klimaziele keine Erfindung oder Forderung unserer Partei sind, sondern ein gemeinsames Ziel der Weltgemeinschaft, um die Folgen der Klimakrise halbwegs verwaltbar zu halten. Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist klar, welche Herausforderung die große Abhängigkeit Deutschlands von russischen Öl- und Gasimporten bedeutet. Um der gezielten Verknappung durch Russland entgegenzuwirken, mussten kurzfristig andere Lösungen wie der Bau von LNG-Terminals gefunden werden. Aber gerade im Hinblick auf die Erreichung der Klimaziele können LNG-Terminals nur eine notwendige Zwischenlösung sein. Dass LNG, besonders wenn es durch Fracking gewonnen wird, extrem klimaschädlich ist, steht außer Frage. Für die Klimabilanz müssen natürlich auch die Emissionen entlang der Lieferkette berücksichtigt werden. Auch hier schneidet LNG sehr schlecht ab.
Klar ist daher: Wir müssen raus aus den fossilen Rohstoffen, unseren Erdöl- und Gasverbrauch reduzieren, die erneuerbaren Energien ausbauen und die Elektrifizierung vorantreiben. Wir müssen raus aus der Abhängigkeit, egal von welchem Land.
Für Berlin bedeutet das vor allem, die Abhängigkeit von Erdgas in der Wärme- und Energieversorgung weiter zu verringern und den Umbau der Wärmenetze und den Umstieg auf erneuerbare und klimaneutrale Lösungen zu beschleunigen.
Wir dürfen aber nicht naiv sein: Die Energiewende wird nur gelingen und notwendige Mehrheiten finden, wenn Menschen mitgenommen werden und die Energieversorgung für Haushalte und Wirtschaft dauerhaft sichergestellt ist. Hier für Verständnis zu werben, bedeutet auch, dass wir stärker verdeutlichen, dass die Behauptung, wir könnten einfach auf russisches Gas zurückgreifen und die Uhr zurückdrehen, als wäre nichts passiert, einfach falsch ist.
Mit freundlichen GrüßenErik Marquardt 

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