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Wie stehen Sie dazu, dass das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden soll?

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Gudrun Schittek
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Lara I. •

Wie stehen Sie dazu, dass das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden soll?

Euronews 2.7. Rentenalter/Lebenserwartung im Paket

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau I.

vielen Dank für Ihre Frage.

Das Rentenalter an die Lebenserwartung zu koppeln ist ein Lösung, die besser und gerechter ist, als einfach das Renteneintrittsalter heraufzusetzen. Es ist bekannt, dass die Lebenserwartung nicht mehr so steigt. Mit der Koppelung an die Lebenserwartung hätte man eine flexible Lösung. Das würde bedeuten, wenn die Lebenserwartung nicht steigt, wird auch das Renteneintrittsalter nicht erhöht. Das erscheint mir gerechter. 

Um Generationengerechtigkeit zu verwirklichen, sollten Modelle eingeführt werden, bei denen Menschen lange gesund bleiben und mit denen Ältere länger arbeiten können und wollen.

Ich möchte auf unser Parteiprogramm von Bündnis 90 / Die Grünen hinweisen. Da heißt es: 

"1. Prävention und Rehabilitation stärken

Damit Menschen freiwillig und bei guter Gesundheit länger arbeiten können, müssen Prävention und Rehabilitation deutlich gestärkt werden. Entscheidend ist, gesundheitliche Belastungen gar nicht erst entstehen zu lassen und bestehende Risiken frühzeitig zu erkennen.

  • Prävention und Gesundheitsschutz ausbauen: Der Gesundheitsschutz in den Betrieben muss gestärkt werden, damit Beschwerden und Erkrankungen möglichst gar nicht erst entstehen.
  • Präventionsleistungen gezielter einsetzen: Die Angebote der Rentenversicherung sollen früher greifen und stärker auf diejenigen ausgerichtet werden, die sie am dringendsten benötigen – nicht erst, wenn bereits erste Symptome auftreten.
  • Rehabilitation bedarfsgerecht stärken: Reha-Angebote werden ausgebaut und das Budget am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet. Insbesondere im Bereich psychischer Erkrankungen müssen Kapazitäten erweitert und Wartezeiten verkürzt werden.  
  • Früher erkennen, besser eingliedern: Rehabilitationsbedarfe sollen früher identifiziert und die berufliche Wiedereingliederung weiterentwickelt werden. 

2. Fehlanreize zur Frühverrentung abbauen

Neben Prävention und Rehabilitation braucht es aber auch Reformen bei den bestehenden Rentenregelungen. Die sogenannte „Rente mit 63“ setzt Anreize für einen frühen Renteneintritt – oft unabhängig von tatsächlicher Belastung. Sie soll daher schrittweise abgeschafft werden.

Gleichzeitig wollen wir flexiblere Übergänge schaffen:

  • Keine starren Regelungen: Arbeitsverhältnisse sollen nicht automatisch mit Erreichen des Rentenalters enden. Stattdessen soll ein flexibles Modell mit Kündigungsoptionen für beide Seiten eingeführt werden.
  • Zuschläge bei längerem Arbeiten: Wer freiwillig länger arbeitet, soll stärker davon profitieren, etwa durch höhere Rentenzuschläge. 

3. Menschen absichern, die nicht länger arbeiten können

Nicht alle können bis zum Renteneintrittsalter arbeiten – und genau diese Menschen brauchen besonderen Schutz. Jährlich beziehen viele Menschen erstmals eine Erwerbsminderungsrente, gleichzeitig wird ein großer Teil der Anträge abgelehnt. Die Folge sind oft schwierige Übergänge mit Arbeitslosigkeit oder finanzieller Unsicherheit.

Deshalb wollen wir die Absicherung gezielt verbessern:

  • Einführung einer Überlastungsschutzrente: Für Menschen, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können, aber keine Erwerbsminderungsrente erhalten.
  • Mehr Unterstützung bei Wiedereinstieg: Insbesondere für Menschen mit befristeter oder teilweiser Erwerbsminderung.
  • Abschläge reduzieren: Es ist nicht gerecht, dass gesundheitlich eingeschränkte Menschen Rentenkürzungen hinnehmen müssen. 

Zwei Seiten einer Medaille

Eine nachhaltige Rentenpolitik muss beides leisten: Sie muss ermöglichen, dass möglichst viele Menschen länger arbeiten können – und gleichzeitig diejenigen absichern, die dazu nicht in der Lage sind. 

Die Bundesregierung setzt derzeit vor allem auf neue Belastungen und Kürzungsvorschläge und ignoriert, dass das Reha-Budget deutlich zu niedrig angesetzt ist, um den tatsächlichen Bedarfen der Menschen angemessen gerecht zu werden."



 

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