Wie stehen Sie zu den Kürzungen in der ambulanten Psychotherapie und all den weiteren Reformen, die Frau Warken schnellstmöglich durchsetzen will?
Sehr geehrter Herr Ganzke,
die Vergütung von uns Psychotherapeuten wurde gekürzt und die weiteren geplanten Maßnahmen von Frau Warken untergraben die Glaubwürdigkeit gesundheitspolitischer Zielsetzungen. Während öffentlich die Bedeutung psychischer Gesundheit betont wird, werden gleichzeitig strukturelle Entscheidungen getroffen, die genau diese Versorgung massiv schwächen. Im Weiteren sind auch Familien, Alleinerziehende und Menschen mit Teilhabebedarf betroffen!
Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie, Ihre politische Verantwortung wahrzunehmen und auf eine Korrektur der vorgesehenen Regelungen hinzuwirken.
Ohne ihre Zustimmung und die ihrer Partei kann der Vorschlag von Frau Warken NICHT durch den Bundestag!!!
Als niedergelassene Psychotherapeutin (in Unna)und alleinerziehende Mutter trage ich tägl. Verantwortung für Menschen in oft existenziellen Krisen. Die politischen Rahmenbedingungen sollten diese Arbeit unterstützen –nicht erschweren.
Mit hoffnungsvollen Grüßen
Susanne T.
Sehr geehrte Frau T.,
vielen Dank für Ihre Zuschrift und für die klare Schilderung Ihrer Situation.
Wir können gut nachvollziehen, wie belastend die aktuellen Entwicklungen für Sie und viele andere Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sind. Wer täglich mit Menschen in psychischen Krisen arbeitet und zugleich wirtschaftlich immer stärker unter Druck gerät, erwartet zu Recht politische Verlässlichkeit und keine zusätzlichen Verschlechterungen.
Die beschlossenen Honorarkürzungen in der ambulanten Psychotherapie sehen wir sehr kritisch. Dass die Vergütung zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent abgesenkt wurde, während der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung hoch ist und vielerorts lange Wartezeiten bestehen, ist aus unserer Sicht das falsche Signal. Hinzu kommt, dass die gleichzeitig angehobenen Strukturzuschläge die Kürzungen für viele Praxen gerade nicht vollständig ausgleichen. Im Ergebnis bleibt für viele ein reales Minus.
Wichtig ist uns dabei eine ehrliche Einordnung: Diese Entscheidung ist nicht im Landtag getroffen worden. Zuständig ist hier die gemeinsame Selbstverwaltung auf Bundesebene, insbesondere der Erweiterte Bewertungsausschuss nach den Vorgaben des SGB V. Ein Landtagsabgeordneter kann diesen Beschluss deshalb nicht unmittelbar aufheben oder ändern. Das entbindet die Politik aber nicht von der Verantwortung, klar Position zu beziehen und Druck zu machen.
Genau das tun wir. Viele Abgeordnete der SPD Fraktion im Landtag Nordrhein Westfalen und auch unser Fraktionsvorsitzender Jochen Ott haben an der Demonstration vor dem Landtag teilgenommen, um deutlich zu machen, dass wir die Proteste und Sorgen der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sehr ernst nehmen. Darüber hinaus hat die SPD Fraktion für den Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales einen schriftlichen Bericht der Landesregierung zu den Auswirkungen der Honorarkürzungen auf die ambulante psychotherapeutische Versorgung in Nordrhein Westfalen angefordert. Dabei geht es ausdrücklich um die Folgen für Praxen, Patientinnen und Patienten, Wartezeiten, Nachwuchsgewinnung und die Stabilität der Versorgung.
Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie sich gegenüber dem Bundesgesundheitsministerium klar positioniert und ihren Einfluss nutzt. Aus unserer Sicht braucht es eine Versorgungspolitik, die den tatsächlichen Bedarf abbildet und die ambulante psychotherapeutische Versorgung stärkt, statt sie weiter zu schwächen.
Unabhängig davon werden wir Ihr Schreiben zum Anlass nehmen, das Thema auch innerhalb unserer Fraktion weiter zu besprechen. Zudem leiten wir Ihre Zuschrift an den für den Wahlkreis zuständigen Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek weiter, damit Ihre Hinweise und Erfahrungen auch in die Beratungen auf Bundesebene einfließen können. Dort liegt letztlich der entscheidende Hebel.
Vielen Dank noch einmal für Ihre Nachricht und für Ihre tägliche Arbeit. Ihre praktischen Erfahrungen sind wichtig, weil sie sehr deutlich zeigen, was solche Entscheidungen vor Ort tatsächlich auslösen.
Mit freundlichen Grüßen
Hartmut Ganzke MdL
