Wie ist ihre Meinung zur staat. AV-Depot? Setzen Sie sich dafür ein ein privates Depot dem staatlichen steuerlich gleichzusetzen und das Schonvermögen für den Mittelstand wieder zu erhöhen?
Sehr geehrte Frau Schwerdtner,
da die gesetzl. Rente nicht mehr sicher ist, wurde bereits begonnen die private Altersvorsorge (AV) mehr zu fördern. So wurde für 2027 die Förderung der AV auf ETFs ausgeweitet (staatliches AV-Depot). Das ist verständlich und positiv zu betrachten. Bisherige AV-Produkte wie Riester und Rürub sind aufgrund der hohen Verwaltungsgebühren unbeliebt und ineffektiv. Wir werden sehen, ob nun die privaten AV-Depots ein Riester 2.0 werden!?
Wenn man nicht auf das staatliche AV-Depot setzt oder bereits begonnen hat vorzusorgen und lieber selber in ein privates AV-Depot spart ergibt sich nun ein erhebliches Problem.
Mit der diesjährigen Bürgergeldreform wurde das Schonvermögen unverständlicherweise für den „Mittelstand" gesenkt.
Ich persönlich sorge nun für meine Kinder frühzeitig vor. Wenn meine Kinder ungewollt arbeitssuchend werden, müssen sie demnach die private AV aufbrauchen bevor sie finanzielle Unterstützungen erhalten würden (U30 bedeutet <5.000€).
Sehr geehrter Herr K.,
vielen Dank für Ihre Frage. Aus unserer Sicht ist die Absicherung im Alter eine zentrale sozialstaatliche Aufgabe und muss deswegen grundsätzlich über die gesetzliche Rente sichergestellt werden. Mit den richtigen Reformen ist das auch möglich.
Den weiteren Ausbau der privaten Altersvorsorge zulasten des öffentlichen Rentensystems lehnen wir deswegen ab. Wir unterstützen kapitalmarktbasierte Rentenmodelle nicht, da diese kapitalmarktbedingten Schwankungen und Risiken unterliegen. Gerade Menschen mit geringeren Einkommen können es sich nicht leisten, ihre Ersparnisse an den Kapitalmärkten zu verspielen. Statt steuerliche Anreize für private Kapitalanlagen zu schaffen, soll dieses Geld lieber in die Stärkung der gesetzlichen Rente fließen – zumal der vorgesehene Zuschussmechanismus auch genau die Menschen mit höheren Einkommen bevorteilt, die ohnehin schon besser für ihre Rente vorsorgen können.
Die Linke kämpft für eine echte Reform der gesetzlichen Rente, die die Finanzierung stabilisiert indem sie die Einzahlerbasis verbreitert und die Beitragslast gerechter verteilt. Wir fordern eine solidarische Rentenversicherung, in die alle einzahlen – auch Beamtinnen und Beamte, Politikerinnen und Politiker und Selbstständige. Auch auf Einkommen aus Kapitalerträgen sollen Beiträge anfallen. In Österreich gibt es ein ähnliches System, Rentnerinnen und Rentner bekommen dort fast doppelt so viel.
Wir stimmen Ihnen hinsichtlich des Schonvermögens zu, dass dieses erhöht werden sollte. Wir wollen damit verhindern, dass insbesondere mittlere und kleine Rücklagen vollständig aufgebraucht werden, und Menschen so besser vor sozialem Abstieg und noch mehr Unsicherheit nach dem Arbeitsplatzverlust schützen.
Mit solidarischen Grüßen
Das Team von Ines Schwerdtner
