Warum soll die Ältere Generation sich am Wehrdienst beteiligen wo wir das doch schon gemacht haben?
Sehr geehrte Frau Schäfer
Ich möchte wissen warum Sie dagegen sind das Junge Menschen Wehrdienst leisten sollen. Ich bin 55 Jahre und hab mit 17 ein soziales Jahr gemacht mein Bruder Wehrdienst. Das war gut für unseren weiteren Lebensweg. Ich finde Junge Menschen sollten ein wenig Verantwortung mit übernehmen. Und ich finde es nicht gerechtfertigt zu sagen die Älteren sollen auch ein Beitrag leisten. Die meisten in meiner Generation haben dieses getan. Darüber sollten sie mal nachdenken.
Danke für Ihre Zeit
Mit freundlichen Grüßen
A. B.
Liebe Frau B.,
herzlichen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Gedanken zu diesem wichtigen Thema.
Unbestritten ist, dass unsere Gesellschaft wehrhafter werden muss und wir uns keine Naivität leisten dürfen. Das Putin-Regime ist eine Bedrohung für die europäische Friedensordnung und die USA unter Trump sind nicht nur kein verlässlicher Sicherheitsgarant mehr, sondern eine reale Bedrohung für Rechtsstaatlichkeit und die Prinzipien, die sie tragen. Doch Wehrhaftigkeit bedeutet nicht zwangsläufig Wehrpflicht. Es geht darum, unsere Gesellschaft insgesamt widerstandsfähiger und resilienter zu machen.
Statt einer Rückkehr zum alten verpflichtenden Wehrdienst stelle ich mir daher etwas anderes vor: Alle, die sich weiterqualifizieren möchten – sei es in Erster Hilfe, im Katastrophenschutz, in der Cyberabwehr oder in der militärischen Reserve – sollen die Möglichkeit und die nötige Unterstützung dafür erhalten. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, sollte Zeit und Verdienstausgleich bekommen und sich in einer zentralen Plattform registrieren können. So wird sichtbar, welche Fähigkeiten wo vorhanden sind, und sie können im Ernstfall effizient koordiniert werden. Die alte Wehrpflicht, die sich ausschließlich an jungen Männern orientierte und den Fokus allein auf die militärische Komponente legte, greift heute zu kurz. Sie führte viele kurzfristig ins System, schuf aber nicht die langfristigen und hoch qualifizierten Fachkräfte, die wir angesichts hybrider Bedrohungen dringend brauchen. Moderne Sicherheit bedeutet neben militärischer Stärke eben auch IT-Sicherheit, Medienkompetenz, Katastrophenschutz und robuste Infrastrukturen – Bereiche, die qualifizierte und motivierte Menschen aus der gesamten Gesellschaft erfordern. Eine bundesweite Koordinierungsstelle und eine Plattform, die vorhandene Fähigkeiten sichtbar macht, können dieses Potenzial heben. So verteidigen wir Frieden und Freiheit modern und ohne Zwang.
Ich bin überzeugt: Zwang schafft keine Resilienz – Überzeugung schon. Eine neue Wehrpflicht würde zudem einen Generationenkonflikt verschärfen, der unsere Gesellschaft eher schwächt. Viele junge Menschen, mit denen ich spreche, blicken mit großer Sorge auf die aktuellen Krisen und haben Angst ausbaden zu müssen, was frühere Generationen in besseren Zeiten versäumt haben. Diese Sorgen nehme ich ernst – und ich halte es für entscheidend, gesellschaftliche Gräben nicht weiter zu vertiefen. Daher braucht es Empathie für die Zukunftsängste der jungen Menschen, Respekt für die Leistungen der älteren Generationen und eher eine Engagement-Unterstützung und Anreize für alle, die anpacken wollen. Die innere Überzeugung für etwas richtiges und wichtiges freiwillig einzustehen, ist ein zentrales Element, um die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie zu stärken. Einen erneuten Wehrdienst habe ich auch nicht gefordert.
Beste Grüße
Jamila Schäfer
