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Wie bewerten Sie die Kürzung der Psychotherapie‑Vergütung auf Wartezeiten, Versorgungslücken und Arbeitsbedingungen?

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Janosch Dahmen
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Nicole H. •

Wie bewerten Sie die Kürzung der Psychotherapie‑Vergütung auf Wartezeiten, Versorgungslücken und Arbeitsbedingungen?

Sehr geehrter Herr Dahmen,

Wie bewerten Sie die Auswirkungen auf Wartezeiten, Therapieplätze, Arbeitsbedingungen? Teilen Sie die Einschätzung, dass die Kürzung Versorgungslücken verschärft?

Entspricht diese Kürzung Ihrem Ziel, psychische Gesundheit ganzheitlich zu stärken und psychosoziale Versorgung auszubauen? Welche konkreten Schritte sehen Sie auf Bundesebene, um die Versorgungslage zu stabilisieren? Sehen Sie alternative Wege, Mittel im Gesundheitssystem so zu verteilen, dass die Versorgung psychisch Erkrankter nicht leidet, sondern gestärkt wird? Wie bewerten Sie, dass die Kürzung pro Beitragzahler zwar dieses Jahr 2 Euro spart – dann jedoch deutlich höhere Kosten durch Fehlzeiten/Versorgungsengpässe/Klinik nach sich zieht, damit Beiträge wieder erhöht? Therapie erzeugt pro investiertem Euro 2–4 Euro gesellschaftlichen Nutzen! Nehmen Sie auf Frau Warken Einfluss, um die geplante Honorarminderung zurückzunehmen? Vielen Dank für Ihr Engagement! Psychotherapie ist Daseinsvorsorge!

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau H.,

vielen Dank für Ihre Zuschrift und für die klaren Fragen, die Sie an mich richten. Ich beantworte sie gerne strukturiert.

Ich teile Ihre Einschätzung, dass der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses, die Vergütung ambulanter psychotherapeutischer Leistungen zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent abzusenken, Versorgungslücken verschärft. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten, entstehen Fehlanreize zulasten gesetzlich Versicherter, Wartezeiten verlängern sich, Therapieplätze werden knapper. Besonders besorgniserregend ist dies im Bereich der Kinder- und Jugendlichenversorgung, in dem Bedarfe und Belastungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, ohne dass passende Angebote überall verfügbar wären.

Eine pauschale Honorarkürzung steht im Widerspruch zu dem Ziel, die psychotherapeutische und psychosoziale Versorgung auszubauen. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten leisten einen zentralen Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung und zur Stabilität unserer Gesellschaft. Gerade bei psychischen Erkrankungen ist eine frühzeitige und kontinuierliche Behandlung entscheidend, um Chronifizierungen zu vermeiden und soziale Teilhabe, Bildungs- und Erwerbsbiografien zu sichern.

Ihre ökonomische Einordnung teile ich. Auch volkswirtschaftlich ist die Kürzung nicht sinnvoll, da psychische Erkrankungen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit gehören und erhebliche Folgekosten verursachen. Eine starke ambulante Versorgung wirkt dem entgegen und ist damit nicht nur gesundheitspolitisch, sondern auch ökonomisch geboten. Kurzfristige Einsparungen erzeugen mittel- und langfristig deutlich höhere Folgekosten durch Fehlzeiten, Klinikaufenthalte und Versorgungsengpässe.

Vor diesem Hintergrund braucht es eine klare gesundheitspolitische Priorität für die Stärkung der ambulanten, psychosozialen und psychotherapeutischen Versorgung. Dazu gehören niedrigschwellige und wohnortnahe Angebote, die Menschen frühzeitig erreichen, auch präventiv, bevor sich Belastungen verfestigen oder eskalieren. Als Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen haben wir einen Antrag zur strukturellen Stärkung der psychotherapeutischen Versorgung in den Bundestag eingebracht (Drucksache 21/4954, https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104954.pdf). Ziel ist es, die ambulanten und gemeindenahen Strukturen auszubauen, die Bedarfsplanung weiterzuentwickeln, insbesondere die Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu stärken, den Zugang zu niedrigschwelligen Hilfen zu verbessern und präventive Ansätze stärker zu verankern.

Ich werde mich auch weiterhin gegenüber der Bundesregierung und insbesondere gegenüber Frau Bundesministerin Warken dafür einsetzen, dass psychische Gesundheit die Priorität erhält, die sie braucht, und dass politische Entscheidungen die Versorgung stärken statt schwächen.

Vielen Dank für Ihr Engagement zu diesem wichtigen Thema. Sie haben Recht: Psychotherapie ist Daseinsvorsorge.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Janosch Dahmen MdB

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