Wie engagieren Sie sich im Kontext der derzeitigen Absenkung psychotherapeutischer Honorare?
Sehr geehrter Herr Dahmen,
wie Sie sicher mitbekommen haben, wurde diese Woche eine Absenkung psychotherapeutischer Honorare beschlossen. Dies erschreckt nicht nur psychotherapeutisch arbeitende Personen und solche, die es bisher werden wollten, sonern auch Personen, die psychotherapeutischer Behandlung dringend bedürfen.
Wie engagieren Sie sich in diesem Kontext?
Beispiel-Quelle: https://www.ptk-nrw.de/fileadmin/user_upload/downloads/06_presse/pressemeldungen/2026/13_03_26_PM_Honorarkuerzung_end.pdf
Vielen Dank schon im Vorhinein für Ihre Aufmerksamkeit!
Sehr geehrter Herr L.,
vielen Dank für Ihre Zuschrift, die ich gerne persönlich beantworte.
Ihre Sorge teile ich. Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses, die Vergütung ambulanter psychotherapeutischer Leistungen zum 1. April 2026 um 4,5 Prozent abzusenken, ist aus meiner Sicht das falsche Signal, insbesondere vor dem Hintergrund einer bereits angespannten Versorgungslage.
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten leisten einen zentralen Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung und zur Stabilität unserer Gesellschaft. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Unterstützung kontinuierlich, während viele Patientinnen und Patienten bereits heute monatelang auf einen Therapieplatz warten. Besonders besorgniserregend ist die Lage im Bereich der Kinder- und Jugendlichenversorgung, in dem Bedarfe und Belastungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, ohne dass passende Angebote überall verfügbar wären.
Eine pauschale Honorarkürzung verschärft diese Situation. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten, entstehen Fehlanreize zulasten gesetzlich Versicherter, Wartezeiten verlängern sich, Therapieplätze werden knapper. Gerade bei psychischen Erkrankungen ist jedoch eine frühzeitige und kontinuierliche Behandlung entscheidend, um Chronifizierungen zu vermeiden und soziale Teilhabe, Bildungs- und Erwerbsbiografien zu sichern. Auch volkswirtschaftlich ist die Kürzung nicht sinnvoll, da psychische Erkrankungen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit zählen und erhebliche Folgekosten verursachen.
Vor diesem Hintergrund braucht es eine klare gesundheitspolitische Priorität für die Stärkung der ambulanten, psychosozialen und psychotherapeutischen Versorgung. Dazu gehören niedrigschwellige und wohnortnahe Angebote, die Menschen frühzeitig erreichen, auch präventiv, bevor sich Belastungen verfestigen.
Als Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen haben wir einen Antrag zur strukturellen Stärkung der psychotherapeutischen Versorgung in den Bundestag eingebracht (Drucksache 21/4954, https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104954.pdf). Ziel ist es, die ambulanten und gemeindenahen Strukturen auszubauen, die Bedarfsplanung weiterzuentwickeln, insbesondere die Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu stärken, den Zugang zu niedrigschwelligen Hilfen zu verbessern und präventive Ansätze stärker zu verankern.
Ich setze mich weiterhin dafür ein, dass psychische Gesundheit die Priorität erhält, die sie braucht, und dass politische Entscheidungen die Versorgung stärken statt schwächen.
Vielen Dank für Ihr Engagement zu diesem wichtigen Thema.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Janosch Dahmen MdB
