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Als Fraktionsvorsitzende: Werden die Grünen die geplante De-facto-Abschaffung des IFG im Bundestag aktiv bekämpfen? Welche Priorität hat das Thema für Sie?

Foto von Katharina Dröge, aufgenommen im Deutschen Bundestag im Juli 2025.
Katharina Dröge
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Sascha L. •

Als Fraktionsvorsitzende: Werden die Grünen die geplante De-facto-Abschaffung des IFG im Bundestag aktiv bekämpfen? Welche Priorität hat das Thema für Sie?

Sehr geehrte Frau Dröge,

der Koalitionsausschuss (CDU/CSU/SPD) beschloss am 1.7.2026, das IFG faktisch abzuschaffen: Nachweispflicht „berechtigtes Interesse", Ausschluss von Nicht-EU-Bürger:innen und juristischen Personen (FragDenStaat, Pro Asyl, Deutsche Umwelthilfe wären betroffen), auch Journalist:innen ausgeschlossen. Zudem: Wegfall der 500-Euro-Gebührenobergrenze, pauschale Schwärzung von Mitarbeiternamen, weitere Ausnahmetatbestände. FragDenStaat: „schwerster Angriff auf staatliche Transparenz in der Geschichte der Bundesrepublik".

Als Fraktionsvorsitzende tragen Sie die strategische Verantwortung für die parlamentarische Oppositionsarbeit der Grünen: Werden Sie dieses Thema zur Priorität machen, öffentlich Position beziehen und konkrete parlamentarische Initiativen gegen den Beschluss ergreifen?

Quellen: taz.de, fragdenstaat.de (2.7.2026).

Foto von Katharina Dröge, aufgenommen im Deutschen Bundestag im Juli 2025.
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Lieber Herr L.

haben Sie besten Dank für Ihre Nachricht und Ihr Interesse an den Positionen der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen. Über beides haben wir uns sehr gefreut. 

Union und SPD haben in ihrem jüngsten „Reformpaket“ angekündigt, das Informationsfreiheitsgesetz (Bund-IFG) massiv einzuschränken und das Recht auf Herausgabe von Informationen durch Behörden weitgehend abschaffen zu wollen.

Die Einführung des IFG vor zwanzig Jahren war eine wichtige bürgerrechtliche Errungenschaft, um Licht dorthin zu bringen, wo Regierungshandeln ansonsten verborgen bleiben würde. Zahlreiche Skandale konnten so aufgedeckt werden.

Statt ihr eigenes Versprechen, die Staatsmodernisierung anzugehen und die Transparenz staatlichen Handels zu verbessern, erleben wir derzeit von Seiten der Bundesregierung einen weiteren Angriff auf die Zivilgesellschaft und einen massiven gesellschaftspolitischen Rollback bei mühsam erkämpften Transparenzgesetzen.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne von CDU, CSU und SPD haben Fachabgeordnete der Grünen Bundestagsfraktion die Pläne gegenüber den großen Nachrichtenagenturen wie folgt kommentiert:

"Dass die Große Koalition ein gestörtes Verhältnis zu wichtigen Transparenzgesetzen hat, wurde schon in den Sondierungen deutlich. Nach massivem öffentlichem Protest beteuerte man, dass man die Informationsfreiheit garantiert nicht schleifen werde. Doch genau das plant man nun offenbar. Unter dem Vorwand, sich auf neue sicherheitspolitische Bedrohungen einstellen zu müssen, sägt man grundsätzlich an den Rechtsgrundlagen staatlicher Transparenz. Das ist fatal. Natürlich brauchen wir einen besseren Schutz unserer kritischen Infrastrukturen. Gleichzeitig dürfen wir das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und die Informationsfreiheit, der eine wichtige Kontrollfunktion in unserem Staat zukommt, insgesamt in Frage stellen. Die Große Koalition ist angetreten, mit dem Versprechen, unseren Staat modernisieren zu wollen. Was wir derzeit in diesem Bereich erleben, ist das genaue Gegenteil, nämlich ein krasser Rückschritt hinter mühsam erkämpfte Bürgerrechte. Als Grüne Bundestagsfraktion werden wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um diesen gesellschaftspolitischen Rollback eine klare Absage zu erteilen und Transparenz staatlichen Handels zu stärken - statt sie zu schwächen "

Sie können sich sicher sein, dass wir in der Grünen Bundestagsfraktion weiterhin sehr entschlossen auf den großen Wert staatlicher Transparenz und hierzu von der Bundesregierung auch international eingegangene Verpflichtungen hinweisen und alles in unserer Macht Stehende tun werden, um Transparenz zu stärken statt zu schwächen.

Hunderttausende Menschen haben bereits eine Petition unterschrieben, die eine Einschränkung ablehnt. Wir stellen uns an ihre Seite. Als Grüne Bundestagsfraktion setzen wir uns weiterhin vehement für eine Weiterentwicklung des IFG zu einem echten Bundestransparenzgesetz ein, mit einem Recht auf Open Data, sodass Behörden proaktiv Informationen zugänglich machen.

Von den Parlamentarier*innen von CDU, CSU und SPD erwarten wir, dass sie diesen Kahlschlag bürgerrechtlicher Errungenschaften nicht mittragen und einer Abschwächung des Informationsfreiheitsgesetzes eine klare Absage erteilen.

Denn wir brauchen mehr staatliche Transparenz, gewiss nicht weniger. Auch in der letzten Wahlperiode haben wir uns als grüne Bundestagsfraktion bereits vehement für eine echte Stärkung von Transparenzgesetzgebung und für die Vorlage eines Bundestransparenzgesetzes nach Ländervorbild eingesetzt. Wir werden in Kürze erneut einen entsprechenden Antrag in den Bundestag einbringen. 

Wir danken Ihnen und allen Mitstreiterinnen und Mistreitern für das Engagement und freuen uns, Sie bei diesem wichtigen Anliegen an unserer Seite zu wissen. Weitere Informationen zur Arbeit der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen finden Sie unter https://www.gruene-bundestag.de/.

Viele Grüße

Team Dröge 

 

 

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