Label
Es gilt, dass Beamte eine besondere Treueverpflichtung gegenüber dem Staat haben, ist es daher für Sie vorstellbar, dass Beamte angesichts der Rekordverschuldung auf Sonderzulagen verzichten?

Foto von Katharina Dröge, aufgenommen im Deutschen Bundestag im Juli 2025.
Katharina Dröge
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
96 %
141 / 147 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Margarete P. •

Es gilt, dass Beamte eine besondere Treueverpflichtung gegenüber dem Staat haben, ist es daher für Sie vorstellbar, dass Beamte angesichts der Rekordverschuldung auf Sonderzulagen verzichten?

Verschiedentlich haben Arbeitnehmer auf Gehalt oder Sonderzulagen verzichtet um Arbeitsplätze in ihrer Firma zu retten/erhalten, z.B. bei Kaufhof Galeria (Meldung von ver.di vom 07.10.25). Derzeit haben Beamte einen lebenslangen Beschäftigungschutz, sind also finanziell bestens abgesichert. Dennoch habe ich noch nie von Gehaltsverzicht bei Beamten gehört. Gab es diesen in der Vergangenhiet? Bzw. ist seitens Ihrer Partei geplant, hierzu einen Vorschlag zu machen? Insbesonders natürlich bei den hoch eingestuften Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst? (meines Wissens sind diese nach langjähriger Tätigkeit den Beamten in Bezug auf Beschäftigungsschutz gleichgestellt.)

Foto von Katharina Dröge, aufgenommen im Deutschen Bundestag im Juli 2025.
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Liebe Frau P.

vielen Dank für Ihre sehr gute Frage, die in der öffentlichen Debatte viel zu selten diskutiert wird.

Der Vergleich mit privaten Arbeitnehmern, die wie bei Galeria Kaufhof auf Gehalt verzichten, um Arbeitsplätze zu sichern, ist verständlich, rechtlich und strukturell aber schwer übertragbar. Das Alimentationsprinzip des Grundgesetzes (Art. 33 Abs. 5 GG) verbietet einseitigen Gehaltskürzungen, um die Unabhängigkeit der Beamten vor politischem Druck zu schützen.

Freiwilligen Gehaltsverzicht gab es in Deutschland bei Beamten bislang nicht in nennenswertem Umfang. Einzelne Kommunen haben in extremen Haushaltsnotlagen Sonderzulagen vorübergehend ausgesetzt, das blieb jedoch die Ausnahme und war rechtlich umstritten.

Ihre Frage nach höher eingestuften Beamten und langjährigen Angestellten im öffentlichen Dienst ist berechtigt: Gerade auf den oberen Besoldungsstufen gibt es einen Spielraum für eine gesellschaftliche Debatte über Solidarbeiträge in Krisenzeiten. Ob und wie das gesetzlich umsetzbar ist, ohne das Alimentationsprinzip zu verletzen, bedarf jedoch sorgfältiger Prüfung.

Wir nehmen Ihren Impuls gerne mit in unsere internen Beratungen.

Viele Grüße

Team Dröge 

 

 

Was möchten Sie wissen von:
Foto von Katharina Dröge, aufgenommen im Deutschen Bundestag im Juli 2025.
Katharina Dröge
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Weitere Fragen an Katharina Dröge