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Helfen Sie mit, dass psychisch Kranke schneller Hilfe bekommen?

Foto von Katharina Dröge, aufgenommen im Deutschen Bundestag im Juli 2025.
Katharina Dröge
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Erik S. •

Helfen Sie mit, dass psychisch Kranke schneller Hilfe bekommen?

Sehr geehrte Frau Dröge,
als Mensch, der dringend einen Therapieplatz braucht, schreibe ich Ihnen mit großer Sorge. Das GKV-Gesetz kürzt genau die Versorgung, auf die ich und viele andere angewiesen sind.

Bitte setzen Sie sich dafür ein: keine Deckelung der Psychotherapie-Vergütung, keine Streichung der Kurzzeittherapie-Zuschläge. Stärken Sie die Versorgung, statt sie zu beschneiden. Die Einsparungen sind gering – die Folgen für uns Patienten sind verheerend: noch längere Wartezeiten, spätere Behandlungen, chronische Verläufe.

Stabilisieren Sie die Kassen nicht zulasten psychisch kranker Menschen.

Mit freundlichen Grüßen

Erik S.

(Quelle: https://bvvp.de/jetzt-wird-es-laut/?fbclid=PAb21jcAS7aF1mdHNoBLtdEm9tY3AEu)

Foto von Katharina Dröge, aufgenommen im Deutschen Bundestag im Juli 2025.
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Lieber Herr S.

vielen Dank für Ihre persönliche Nachricht. 

In der Grünen Bundestagsfraktion sind wir der Meinung: gesundheitspolitisch sind die vom Erweiterten Bewertungsausschuss beschlossenen Honorarkürzungen um 4,5 Prozent sowie die finanziellen Einschnitte im GKV Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Hinblick auf die schon derzeit bestehenden Versorgungslücken in der Psychotherapie inakzeptabel.

Die Einschnitte bei der psychotherapeutischen Versorgung sind dazu geeignet, individuelles gesundheitliches Leid zu erhöhen, und daher inakzeptabel. Zudem werden die Kosten durch die Einschnitte mittelfristig sogar steigen. Denn weniger niedrigschwellige Versorgung führt zu mehr Chronifizierung, mehr Krankenhausaufenthalten und mehr volkswirtschaftlichen Kosten durch steigende Arbeitsausfälle und Frühberentungen. Psychotherapeutische Versorgung muss adäquat finanziert werden.

In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung stetig steigt, Wartezeiten für viele Patient*innen unzumutbar lang sind, wie auch ihr Fall zeigt, und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, sind diese Kürzungen ein verheerendes Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zu Ungunsten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet das die psychotherapeutische Versorgung.

Was wir stattdessen brauchen, sind nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Pauschale Kürzungen werden die bestehende Fehlsteuerung und die finanzielle Schieflage innerhalb des Gesundheitssystems nicht lösen können. Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Insgesamt sind die Zugänge zum Hilfesystem mit zu vielen Hürden belastet. Es ist nicht hinzunehmen, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf passende Hilfe warten müssen. Alle Menschen mit Hilfebedarf sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten haben. Bisher hat die Bundesregierung keine strukturellen Reformen in der Psychotherapie, noch nicht einmal die angekündigte separate Bedarfsplanung für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen, vorgelegt.

Wir aber bleiben nicht untätig und haben bereits anlässlich der Honorarkürzungen in der Psychotherapie deshalb den Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ (Drucksache 21/4954) in den Deutschen Bundestag eingebracht: https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104954.pdf

Wir fordern darin eine Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung, die sich an dem aktuellen Hilfebedarf orientiert. Zusätzlich soll die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in einer eigenen Bedarfsplanung festgelegt werden. Denn Kinder und Jugendliche können keine langen Strecken zu einer Praxis überwinden. Sie brauchen ein Versorgungsangebot vor Ort, das auch mit ihrer Kita, Schule oder kommunalen Unterstützungsangeboten vernetzt werden kann. Und wir wollen, dass die Versorgung in Stadt und Land angeglichen wird, um gleiche gesundheitliche Lebensverhältnisse zu schaffen. Obwohl Menschen auf dem Land nicht seltener psychisch erkranken als Menschen in der Stadt, sind in ländlichen Regionen oder in Gebieten wie dem Ruhrgebiet nur halb so viele psychotherapeutische Versorgungsangebote vorgesehen wie in der Stadt. Diese Schieflage muss endlich begradigt werden. Und: für Menschen mit schweren und chronischen psychischen Erkrankungen müssen wir gezielt mehr Versorgungsangebote schaffen, damit sie besseren Zugang in die ambulante Versorgung haben. Klar ist auch: Nur mit ausreichend Fachkräften ist die Patientenversorgung von morgen gesichert. Deshalb fordern wir endlich eine Absicherung der Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung.

Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass angemessene finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen in der psychotherapeutischen Versorgung geschaffen werden. Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen.

Viele Grüße

Team Dröge 

 

 

 

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