Label
Welche Möglichkeiten gibt es, die geplanten Einschnitte in der psychotherapeutischen Versorgung, die am Freitag, 10.07.26, beschlossen werden sollen, zu verhindern?

Portrait von Katrin Schmidberger
Katrin Schmidberger
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
96 %
22 / 23 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Anja W. •

Welche Möglichkeiten gibt es, die geplanten Einschnitte in der psychotherapeutischen Versorgung, die am Freitag, 10.07.26, beschlossen werden sollen, zu verhindern?

Sehr geehrte Frau Schmidberger, die geplanten Änderungen in der Vergütung von Psychotherapeutinnen wird zu einer massiven Verschlechterung der psychotherapeutischen Versorgung von Krankenversicherten führen. In meiner psychotherapeutsichen Praxis besteht ein großer Teil meiner Arbeit darin, entweder Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen oder sie aufrecht zu erhalten. Die geplanten Veränderungen werden zu einem massiven Praxissterben führen. Die Psychotherapie aus dem Gesundheitssystem zu streichen ist ökonomischer Unsinn, weil damit Krankentage und Chronifizierungen explosionsartig zunehmen werden. Eine zukunftsfähige Politik sorgt neben einer guten Bildungspolitik für eine gute, für alle zugängliche Gesundheitsversorgung. Mit Streichung wichtiger Gesundheitsleistungen wird sowohl psychische Krankheit, aber auch Unzufriedenheit in der Gesamtbevölkerung exponentiell steigen. Damit wird rechten, antidemokratischen Parteien direkt in die Hände gespielt.

Mit freundlichen Grüßen, Anja W.

Portrait von Katrin Schmidberger
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau W.,

herzlichen Dank für Ihr Engagement!

Ich bin komplett bei Ihnen, das Gesetz wird die Kapazitäten für Psychotherapie erheblich verringern und somit zu mehr Leid, mehr Chronifizierung, mehr Frühverrentungen und Arbeitsunfähigkeit führen, das ist teurer und verantwortungslos. Die Koalition hat im Gesundheitsausschuss einen halbherzigen Entschließungsantrag zur Psychotherapie vorgelegt, der die Angriffe auf die Psychotherapie in keiner Weise kompensiert und allenfalls der eigenen Gewissensberuhigung dienen kann. Wenn die Koalition tatsächlich psychisch Erkrankte unterstützen wollte, müsste sie die Angriffe im Gesetz zurücknehmen, die Forderungen aus dem Entschließungsantrag in einen vernünftigen Änderungsantrag gießen, aber auch endlich strukturelle Reformen wie die überfällige Bedarfsplanung regeln. Kurzum: wenn sie ernsthaftes Interesse daran hätte Versorgung zu verbessern, hätte die Koalition dem grünen Antrag zur strukturellen Stärkung der psychotherapeutischen Versorgung zustimmen sollen. 

Wie auch der Presse zu entnehmen ist, fordern meine Kolleg*innen im Bund den Abschluss des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz auszusetzen und in vertiefte Beratungen über den Sommer einzutreten. Dann könnte die Koalition die Angriffe auf die Psychotherapie zurücknehmen und gleichzeitig vernünftige Forderungen durch Änderungsanträge einbringen.

Bei weiterführenden Fragen können Sie sich auch gerne an meine Kollegin im Bund, Kirsten Tappert-Gonther kirsten.kappert-gonther@bundestag.de wenden.

Beste Grüße

Katrin Schmidberger

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Katrin Schmidberger
Katrin Schmidberger
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Weitere Fragen an Katrin Schmidberger