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Sind Sie für die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartug?

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Katrin Schmidberger
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Claudia K. •

Sind Sie für die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartug?

Sehr geehrte Frau Schmidberger, aktuell wird über eine Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung diskutiert. Wie stehen sie dazu? Wie würden sie bei der Abstimmung entscheiden?
Vielen Dank
C. K.

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau K.,

vielen Dank für Ihre Frage.

Vorab: Ich sitze im Berliner Abgeordnetenhaus, nicht im Bundestag. Über eine Anhebung oder Kopplung des Rentenalters kann ich also nicht abstimmen. Folgend aber trotzdem meine Meinung zu dem Thema.

Ich halte die automatische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung für den falschen Weg. Sie klingt nach einer sauberen technischen Lösung, verschiebt die Kosten aber genau auf die Menschen, die ohnehin am wenigsten haben. Denn die steigende Lebenserwartung ist ein Durchschnittswert. Wer jahrzehntelang auf dem Bau, in der Pflege oder im Schichtdienst gearbeitet hat, lebt statistisch deutlich kürzer und ist häufig schon vor 67 gesundheitlich am Ende. Ein Formelmechanismus würde ausgerechnet diesen Menschen weitere Lebensjahre in Rente nehmen, während er für Beschäftigte mit langer Ausbildung und leichter Arbeit kaum ins Gewicht fällt. Das ist keine Generationengerechtigkeit, sondern eine Umverteilung von unten nach oben.

Dazu kommt: Ein späteres gesetzliches Renteneintrittsalter bedeutet für viele nicht längeres Arbeiten, sondern schlicht höhere Abschläge. Faktisch wäre das eine Rentenkürzung, die man nur nicht so nennt.

Die Finanzierungsfrage ist damit natürlich nicht vom Tisch, sie ist real. Aber sie lässt sich anders beantworten. Ich bin dafür, den Kreis der Einzahlenden zu erweitern, also alle Erwerbstätigen einzubeziehen, auch Selbstständige, Beamt*innen und wir Abgeordnete. Ich bin dafür, das Rentenniveau zu sichern, gerade weil Altersarmut vor allem Frauen trifft, die Sorgearbeit geleistet haben und in Teilzeit gearbeitet haben. Und ich bin dafür, gute Wege in die Rente für diejenigen zu schaffen, die nicht mehr können, statt pauschaler Grenzen für alle.

Als Berliner Abgeordnete sehe ich zusätzlich, was Altersarmut in der Stadt konkret bedeutet. In meinen Sprechstunden sitzen regelmäßig Rentner*innen, deren Miete den größten Teil ihrer Rente auffrisst. Über Rentenhöhe entscheidet am Ende auch, was vom Einkommen nach der Miete übrig bleibt. Deshalb gehören bezahlbare Mieten und eine sichere Rente für mich zusammen.

Wenn Sie die Debatte im Bundestag genauer verfolgen möchten, empfehle ich Ihnen die Position unserer Bundestagsfraktion: https://www.gruene-bundestag.de/unsere-politik/was-unsere-politik-fuer-dich-bedeutet/rente-sicher-machen-fuer-ein-gutes-leben-im-alter/ 

Mit freundlichen Grüßen 
Katrin Schmidberger

 

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