Wie wollen Sie angesichts der angespannten GKV‑Finanzen konkret auf der Ausgabenseite gegensteuern, ohne Versorgungsqualität und Wertschätzung der Leistungserbringer zu verschlechtern?
Lieber Herr Hiller,
der größte Teil der GKV‑Beiträge fließt an Leistungserbringer wie Krankenhäuser, Vertragsärzt:innen, Apotheken, Pharmaunternehmen und Therapeut:innen; reine Verwaltungskosten der Kassen machen nur einen kleinen Anteil aus. Von hohen Gewinnen profitieren vor allem Pharmaindustrie sowie private Klinik- und Praxisketten, während öffentliche und gemeinnützige Träger überwiegend Personal, Sachkosten und Investitionen finanzieren. Statt einseitig auf Beitragserhöhungen zu setzen, sollten politische Strategien auf die Ausgabenseite zielen: effiziente Strukturen, faire Vergütung, aber Begrenzung von Über- und Fehlversorgung. Ziel ist eine Entwicklung, die Versorgung und Patientenerfahrung verbessert und gleichzeitig die Arbeit der Leistungserbringer anerkennt und nachhaltig finanziert.
Was ist Ihre Position dazu und für welche (konkreten) Maßnahmen setzen Sie (und Ihre Partei) sich wie genau ein?
Danke und VG
Sehr geehrter Herr F.,
vielen Dank für Ihre Positionierung zu diesem wichtigen Thema und Ihre Frage. Die finanzielle Lage der GKV ist schwierig. Erwartet werden Defizite in zweistelliger Milliardenhöhe sowie weiter steigende Zusatzbeiträge. Gleichzeitig erleben viele Menschen im Versorgungsalltag spürbare Probleme – lange Wartezeiten, eingeschränkte Terminverfügbarkeit und regionale Versorgungsengpässe. Dies macht deutlich, dass trotz hoher Ausgaben strukturelle Ineffizienzen, sektorale Brüche und Fehlanreize bestehen, die wir beseitigen müssen.
Der Bericht der GKV-Finanzkommission ist erst einen Tag alt. Damit beginnt die entscheidende Phase der Reform der Finanzierung unseres Gesundheitssystems. Das Bundesgesundheitsministerium wird nun eine Bewertung vornehmen und auf dieser Grundlage konkrete Vorschläge entwickeln, die anschließend im Kabinett und im Parlament beraten werden.
Der vorliegende Bericht der Kommission ist äußerst umfangreich und enthält auf den ersten Blick eine Reihe vielversprechender Ansätze. Gerade weil Reformen im Gesundheitsbereich so wichtig sind – sowohl für eine gute Versorgung als auch für die Stabilisierung der Beiträge und damit der Lohnnebenkosten –, werde ich den Bericht sorgfältig prüfen, die Vorschläge des Bundesgesundheitsministeriums analysieren und anschließend eine fundierte Bewertung vornehmen. Meiner Ansicht nach ist es wichtig, dass die verantwortlichen Akteure einzelne Vorschläge nicht vorschnell „zerreden“, bevor ein schlüssiges Gesamtkonzept vorliegt.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Hiller