Wird es in der Bildung einen bundesweiten Pflichtprogramm eines KZ-Gedenkstätte-Besuchs geben? Wie geht man gegen die Radikalisierung der Jugendlichen vor?
Sehr geehrter Herr Brand,
immer mehr Jugendliche radikalisieren sich und treten in rechtsextremen Organisationen bei. Teile davon begehen aktiv Straftaten und verherrlichen die NS-Zeit und verbreiten antisemitische und antiislamische Inhalte. Aus diesem Grund sehe ich als wichtig, dass in der Bildung mehr zu der NS-Zeit getan werden muss und die Jugendlichen die Realität gezeigt werden muss. Jede Schülerin und Schüler aus der 9. Klasse muss einmal einen KZ-Gedenkstätte besucht haben und mindestens zwei Filme zu der geschaut haben, z.B: Stalingrad (1993), das Boot oder die Brücke. Das soll bundesweit verpflichtend werden. Laut einer Umfrage wissen 40% der junge Menschen nicht, was der Holocaust war und das ist ein fatales Signal für die Bildung. Jede Belustigung über diese Zeit muss ernster und strenger vorgegangen werden. Die rechtsextreme AfD hat sogar vor die Finanzierung der KZ-Gedenkstätte zu streichen! Hier soll die Regierung handeln!
Der Besuch einer KZ-Gedenkstätte ist eine wirklich sehr wichtige Initiative, um insbesondere junge Menschen schon früh mit den schrecklichen Auswirkungen von extremistischer Ideologie bekannt zu machen.
Auch die Behandlung der Themen in einer trotz der schrecklichen Inhalte guten Form, die Jugendliche auch erreicht, ist für den schulischen und den außerschulischen Bereich wichtig und sinnvoll.
Insoweit halte ich die von Ihnen aufgeführten Punkte alle für tatsächlich wertvoll. Und selbstverständlich werden wir im Bund die Finanzierung der Gedenkstätten fortführen, in Teilen wird sie sogar verstärkt, nämlich dort, wo es, beispielsweise bei einzelnen Gedenkstätten, erforderlich erscheint.
Dennoch tue ich mich schwer damit, dass der Bund etwa den Ländern insbesondere im Bereich der Bildung vorschreiben könnte, dass es Pflichtveranstaltungen zu bestimmten Themen, selbst zu wichtigen Themen geben sollte. Denn nach unserer Verfassung gibt es hier eine klare Trennung, und die Bundesländer sind nach dem Grundgesetz für den Bereich der Bildung im Wesentlichen verantwortlich.
Was der Bund allerdings tut, das ist die Unterstützung von Projekten und Initiativen in diesem Bereich, die umso mehr vor dem Hintergrund der immer weniger verfügbaren Zeitzeugen für die Terror-Zeit des Nationalsozialismus darauf hinwirken, dass diese Erinnerung und Mahnung auch für die nachfolgenden Generationen erhalten und wirksam bleibt.
Im Übrigen ist die Behandlung dieser Thematik natürlich nicht nur eine Frage der schulischen oder außerschulischen Bildung. Auch und vor allem die klassischen wie auch die neuen Medien haben viele Möglichkeiten und und Reichweite, und sie haben nach meiner Überzeugung auch eine Verantwortung, für Toleranz, Demokratie und gegen Extremismus und Gewalt einzutreten. Also bietet sich auch hier noch eine ganze Menge an Potenzial, die vorhandenen guten Beispiele der Vermittlung solcher Inhalte zu verstärken und zu erweitern.
Noch einmal herzlichen Dank für die Initiative, die in Ihrer Frage steckt. Auch wenn ich in der Einzelfrage der Pflichtveranstaltung etwas zurückhaltend bin, so bin ich umso mehr seit langem ein Vertreter der Linie, dass wir in der Breite und immer wieder und auch stark erinnern müssen.
