Nachfrage: Sehen Sie den kürzlich errichteten Gedenkort für Walter Lübcke als das, was er sein soll: einen Ort der Mahnung?
Guten Tag Frau Klein. Sie haben ausführlich erklärt, was Sie an der Aktion problematisch finden. Aber was ist mit dem Ort? Ist er Ihrer Meinung nach geeignet, zu mahnen? Sie kritisieren die Instrumentalisierung; wo doch aber jeder Gedenkort eine Instrumentalisierung des Todes für eine politische Botschaft ist. Was unterscheidet diesen Ort von anderen Mahnmalen? Sie verurteilen den Mord als Anschlag auf die Demokratie und Sie sagen, Engagement gegen Extremismus sei Ihr Anliegen. Dann müsste ein Ort, der an diesen Mord erinnert, doch eigentlich in Ihrem Sinne sein, besser noch von Ihrer Partei selbst initiiert. Wo genau liegt das Problem mit dem Ort selbst? Was konkret sorgt dafür, dass es Ihnen nicht zu einem Mahnmal gereicht? Wenn wir das ZPS mal außen vor lassen: Angenommen, Ihre Partei hätte diesen Ort genau so errichtet – aus dem gleichen Material, mit dieser Inschrift, an dieser Stelle. Wäre er dann für Sie ein würdiges Mahnmal? Wenn nein, was genau müsste anders sein?
Sehr geehrter Herr R.,
haben Sie vielen Dank für Ihre Nachfrage bezüglich des sogenannten Gedenkorts für Walter Lübcke. Sie schreiben darin, jeder Gedenkort sei eine Instrumentalisierung des Todes für eine politische Botschaft. Dieser Aussage muss ich entschieden widersprechen. Gedenkorte sind Orte des Innehaltens, die über die tagespolitische Auseinandersetzung hinausweisen – sie dienen der Erinnerung und berühren gesellschaftliche und kulturelle Fragen. Und: sie entstehen durch Verfahren, auf die sich die Bevölkerung im Rahmen des demokratischen Gesellschaftsvertrags verständigt hat – also: im Sinne der Allgemeinheit – und nicht durch die Selbstermächtigung aktivistischer Kollektive, die eine politische Agenda verfolgen. Deshalb lässt sich der sogenannte Gedenkort, auf den Sie Bezug nehmen, nicht losgelöst von seiner Entstehung beurteilen – er ist durch und durch Ausdruck des Versuches, durch die Instrumentalisierung des Todes Walter Lübckes Einfluss auf das politische Tagesgeschehen zu nehmen. Ich bitte daher um Verständnis, dass ich von der Beantwortung Ihrer hypothetischen Fragen absehe.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Ottilie Klein
