Wie fördert die Grünen-Fraktion photonische Chips als Schlüsseltechnologie für "Green IT", um den enormen Energiehunger von KI-Rechenzentren zu bewältigen?
Der exponentielle Energiehunger von KI-Rechenzentren entwickelt sich zu einer echten Gefahr für unsere Klimaziele. Eine nachhaltige Digitalisierung ("Green IT") braucht dringend Hardware-Sprünge. Photonische Chips, die Daten per Licht statt Strom übertragen, versprechen eine bis zu 30-fach höhere Energieeffizienz. Deutschland hat hier in der Grundlagenforschung eine exzellente Ausgangsposition. Doch während Milliarden an Subventionen in den Bau herkömmlicher, ressourcenintensiver Silizium-Fabriken fließen, droht die Skalierung dieser echten Klima-Innovation ins Ausland abzuwandern. Als Sprecherin für Digitales vereinen Sie Technologie- und Klima-Fokus. Welche konkreten Initiativen treibt Ihre Fraktion voran, um den industriellen Hochlauf photonischer Halbleiter in Deutschland gezielt zu fördern, damit unsere KI-Infrastruktur klimaneutral wird?
Vielen Dank für Ihre wichtige Frage.
Der steigende Energiebedarf von KI-Rechenzentren ist eine zentrale Herausforderung für Klima- und Digitalpolitik. Prognosen gehen davon aus, dass der Stromverbrauch von Rechenzentren in Deutschland von rund 20 TWh im Jahr 2024 auf bis zu 80 TWh bis 2045 steigen könnte. Deshalb ist für uns klar: Der Ausbau von Rechenzentren darf nicht nach dem Prinzip „je mehr, desto besser“ erfolgen, sondern muss bedarfsorientiert, effizient und klimaverträglich geplant werden.
Genau deshalb habe ich die Bundesregierung parlamentarisch gefragt, auf welcher Bedarfsanalyse ihre Ausbauziele für Rechenzentren beruhen. Die Antwort war ernüchternd: Eine solche Bedarfsanalyse liegt nicht vor. Das kritisiere ich deutlich. Wer digitale Infrastruktur ausbauen will, muss wissen, wofür, wo und unter welchen Energie- und Nachhaltigkeitsbedingungen.
Photonische Chips sind in diesem Zusammenhang eine sehr spannende Schlüsseltechnologie. Sie können dazu beitragen, Datenübertragung und Rechenprozesse deutlich energieeffizienter zu machen. Zugleich gilt: Eine klimaneutrale KI-Infrastruktur entsteht nicht durch eine einzelne Technologie, sondern durch ein Zusammenspiel aus effizienten Chips, sparsamer Rechenzentrumstechnik, besseren KI-Modellen, Abwärmenutzung, erneuerbaren Energien und verbindlichen Nachhaltigkeitsstandards.
Als Grüne Bundestagsfraktion setzen wir uns deshalb dafür ein, die Förderung von KI, Halbleitern und Rechenzentren konsequent an Effizienz, Nachhaltigkeit und digitaler Souveränität auszurichten. In unserem Antrag „Europa zum KI-Standort machen – Unsere Wirtschaft stärken, Innovation ermöglichen, digitale Souveränität sichern“ fordern wir unter anderem Effizienz- und Nachhaltigkeitsstandards für Rechenzentren, den Einsatz effizienter Chips, sparsame Rechenzentrumstechnik und effizienterer KI-Modelle.
Deutschland hat bei photonischen Technologien und Halbleiterforschung eine starke wissenschaftliche Ausgangsposition. Es wäre ein strategischer Fehler, wenn die Forschung hier stattfindet, die industrielle Skalierung aber anderswo. Deshalb braucht es gezielte Transferförderung, Pilot- und Produktionskapazitäten, Unterstützung für Ausgründungen sowie europäische Wertschöpfungsketten.
Wir werden die Umsetzung der Nationalen Rechenzentrumsstrategie und die geplanten Änderungen am Energieeffizienzgesetz sehr genau begleiten. Unser Ziel ist: Deutschland soll ein starker KI- und Rechenzentrumsstandort werden, aber nicht auf Kosten von Klima, Stromnetzen und Ressourcen. Digitale Souveränität und Nachhaltigkeit müssen von Anfang an zusammen gedacht werden.
