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Sie sprechen von ‚Akzeptanz ja – Ideologisierung nein‘. Wie ordnen Sie den Christopher Street Day in diesem Spannungsfeld ein?

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Sascha Herr
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Frage von Margret F. •

Sie sprechen von ‚Akzeptanz ja – Ideologisierung nein‘. Wie ordnen Sie den Christopher Street Day in diesem Spannungsfeld ein?

Porträtfoto von Sascha Herr, Abgeordneter im Hessischen Landtag
Antwort von parteilos

Sehr geehrte Frau F.

vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Der Christopher Street Day hat aus meiner Sicht eine klare historische Berechtigung. Ursprünglich ging es darum, an die Diskriminierung und strafrechtliche Verfolgung homosexueller Menschen zu erinnern und für Freiheit, Gleichberechtigung und Würde einzutreten. Dieser Kern – das Eintreten gegen staatliche oder gesellschaftliche Unterdrückung – ist legitim und verdient Respekt.

Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass sich Teile des CSD im Laufe der Jahre verändert haben. Aus einem Gedenk- und Freiheitsanliegen ist vielerorts eine stark politisierte Großveranstaltung geworden, bei der nicht mehr allein Gleichberechtigung im Vordergrund steht, sondern zunehmend gesellschaftspolitische Forderungen und symbolische Inszenierungen dominieren. Das führt dazu, dass der ursprüngliche Gedanke – Schutz vor Diskriminierung und rechtliche Gleichstellung – manchmal in den Hintergrund tritt.

Ich halte es für wichtig, hier zu unterscheiden:

Menschen sollen selbstverständlich frei und ohne Angst leben können. Aber nicht jede Form öffentlicher Darstellung oder politische Forderung muss automatisch Zustimmung finden. Eine pluralistische Gesellschaft muss auch unterschiedliche Bewertungen solcher Veranstaltungen aushalten.

Mein Ansatz bleibt daher derselbe wie zuvor:

Respekt gegenüber jedem Menschen ist selbstverständlich. Gleichzeitig sollte gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht davon abhängen, dass Identität dauerhaft politisch inszeniert wird. Wenn der CSD an seinen ursprünglichen Freiheitsgedanken erinnert, halte ich das für legitim. Wenn er jedoch primär als Bühne für dauerhafte Identitätspolitik dient, sehe ich das kritisch.


 

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