Warum nimmt Deutschland keine schwer verletzten und kranken Kinder aus Gaza zur medizinischen Behandlung auf, obwohl sich im Sommer 2025 mehrere deutsche Krankenhäuser dazu bereit erklärt haben?
Sehr geehrte Frau Güler,
rund 90% aller Gebäude in Gaza sind laut UN (United Nations) zerstört und das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Eine medizinische Versorgung kann bei vielen Kindern, insbesondere schwer verletzten und kranken Kindern, nicht gewährleistet werden. Im Oktober 2025 gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) an, dass etwa 16.000 Menschen - ein Viertel davon Kinder - eine lebensrettende medizinische Evakuierung aus Gaza brauchen. Die humanitäre Hilfe die Deutschland leistet, konzentriert sich im Wesentlichen auf den allgemeinen Wiederaufbau des Gesundheitssystems. Leider erreicht diese Hilfe oft nicht die Kinder mit schweren und komplizierten Verletzungen und Krankheiten. Diese Kinder sind Opfer von Bombeneinschlägen und Beschuss geworden oder leiden an schweren Krankheiten wie Niereninsuffizienz oder Krebs. Sie können nicht warten, bis das Gesundheitssystem wieder aufgebaut ist! Ein Transport ist für viele Kinder die einzige Überlebenschance!
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Deutschland unterstützt die Palästinensischen Gebiete mithilfe eines bilateralen Entwicklungszusammenarbeitsportfolios in Höhe von 950 Millionen Euro. Seit dem 7. Oktober leistete die Bundesregierung Humanitäre Hilfe in Höhe von 375 Millionen Euro in Gaza. Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung den Aufbau von staatlichen Strukturen in palästinensischen Gebieten politisch und finanziell. Diese Bemühungen zahlen eindeutig auf die Aufrechterhaltung der Perspektive einer verhandelten Zweistaatenlösung ein.
Die Bundesregierung bezieht eine klare Position hinsichtlich des präzedenzlosen Siedlungsbaus im Westjordanland. Dieser verstößt gegen das Völkerrecht und gefährdet die Perspektive einer verhandelten Zweistaatenlösung. Die Bundesregierung ruft die Regierung Israels nachdrücklich dazu auf, die Baupläne der Wohneinheiten der Siedlung E1 unverzüglich zurückzunehmen und die Ausweitung der Siedlungen im Westjordanland zu beenden. Durch sie rücken nicht nur eine Friedenslösung in weitere Ferne; auch Israels internationales Ansehen wird weiter beschädigt.
Die Bundesregierung bekräftigt die Verpflichtung zu einem umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden auf der Grundlage der Zweistaatenlösung. Wir werden weiterhin in ihrem Interesse handeln. Die Bundesregierung wird sich weiterhin gemeinsam mit ihren europäischen und internationalen Partnern dafür einsetzen, dass die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Frieden und eine verhandelte Zweistaatenlösung geschaffen werden.
Mit freundlichen Grüßen
Serap Güler, MdB
