Was bedeutet für Sie das wichtigste Gebot von Jesus Christus "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst"? Was versteht die CDU unter Nächstenliebe und Barmherzigkeit?
Für mich ist das wichtigste Gebot Jesu Christi, Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, der Kern christlicher Ethik. Es verbindet Gottesliebe und Menschenliebe untrennbar miteinander. Nächstenliebe meint mehr als Mitgefühl. Sie verpflichtet zum konkreten Handeln. Sie anerkennt die gleiche Würde jedes Menschen. Sie verlangt Verantwortung für den anderen und für sich selbst. Wer den Nächsten liebt, achtet seine Freiheit, schützt sein Leben und hilft ihm, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Zugleich schließt dieses Gebot die Selbstverantwortung ein. Wer sich selbst ernst nimmt, kann auch dem anderen gerecht begegnen.
Theologisch bedeutet Nächstenliebe nicht grenzenlose Beliebigkeit. Sie ist an Wahrheit, Maß und Verantwortung gebunden. Jesus verbindet Barmherzigkeit stets mit Ordnung, Umkehr und persönlicher Verantwortung. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeigt Hilfe in einer konkreten Notlage. Es begründet aber keine Aufhebung von Regeln oder Zuständigkeiten. Christliche Nächstenliebe fragt immer, was dem Menschen dauerhaft dient.
Die CDU versteht Nächstenliebe und Barmherzigkeit als handlungsleitende Werte ihrer christlichen Prägung. Sie bedeuten Schutz der Menschenwürde, Solidarität mit Schwachen, Hilfe in Notlagen und die Förderung von Teilhabe. Zugleich gehören Verantwortung, Leistungsgerechtigkeit und Subsidiarität dazu. Hilfe soll befähigen, nicht abhängig machen. Barmherzigkeit ersetzt nicht Recht und Ordnung, sondern ergänzt sie menschlich.
Politisch übersetzt heißt das, wir stärken soziale Sicherungssysteme, fördern Familien, Pflege und Ehrenamt und unterstützen Menschen in Krisen. Gleichzeitig achten wir auf die Tragfähigkeit des Gemeinwesens, klare Regeln und faire Lastenverteilung. Für die CDU ist Nächstenliebe kein Gefühl, sondern eine Haltung, die Freiheit und Verantwortung verbindet und dem Einzelnen wie der Gemeinschaft dient.
