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Werden Sie einer automatischen Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung nur dann zustimmen, wenn gleichzeitig eine Anhebung des Rentenniveaus gesetzlich verankert wird – ja oder nein?

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Simone Borchardt
CDU
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Frage von Andrea K. •

Werden Sie einer automatischen Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung nur dann zustimmen, wenn gleichzeitig eine Anhebung des Rentenniveaus gesetzlich verankert wird – ja oder nein?

Sehr geehrte Frau Borchardt,
Deutschland hat mit 67 Jahren bereits eines der höchsten gesetzlichen Renteneintrittsalter in der EU, gleichzeitig aber mit rund 53 Prozent eine der niedrigsten Nettoersatzquoten – deutlich unter dem OECD-Schnitt von etwa 63 Prozent. Länder wie die Niederlande oder Dänemark koppeln ihr Rentenalter zwar ebenfalls an die Lebenserwartung, erreichen aber Ersatzquoten von teils über 80 Prozent. Meine konkrete Frage: Werden Sie einer automatischen Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung nur dann zustimmen, wenn gleichzeitig eine Anhebung des Rentenniveaus gesetzlich verankert wird – ja oder nein? Falls nein: Warum sollen die Menschen länger arbeiten, ohne dafür am Ende mehr Rente zu bekommen?

Freundliche Grüße
A.K.

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Antwort von CDU

Nein, eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung darf nicht davon abhängig gemacht werden, dass gleichzeitig ein höheres Rentenniveau gesetzlich festgeschrieben wird.

Der Grund liegt in der Funktionsweise unseres Rentensystems. Die gesetzliche Rente in Deutschland ist im Kern umlagefinanziert. Das bedeutet: Die heutigen Beitragszahler finanzieren die heutigen Rentner. Dieses System hat über viele Jahrzehnte funktioniert, weil die demografischen Voraussetzungen andere waren. Es gab mehr junge Beitragszahler, weniger Rentner und deutlich kürzere Rentenbezugszeiten.

Diese Grundlage verändert sich grundlegend. Die Menschen werden älter, die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand, und die Zahl der Beitragszahler wächst nicht im gleichen Maß nach. Damit gerät das Verhältnis zwischen Einzahlern und Leistungsempfängern aus dem Gleichgewicht. Genau das ist der Kern des Problems.

Deshalb ist es aus meiner Sicht nicht seriös, eine längere Lebensarbeitszeit automatisch mit einem höheren Rentenniveau zu verknüpfen. Wer das fordert, muss auch sagen, wer diese zusätzlichen Leistungen dauerhaft finanziert. Es wären entweder höhere Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, höhere Steuerzuschüsse aus dem Bundeshaushalt oder eine noch stärkere Belastung der jüngeren Generation. Keine dieser Optionen ist folgenlos.

Der Hinweis auf andere europäische Länder greift nur eingeschränkt. Dänemark oder die Niederlande haben andere Alterssicherungssysteme. Dort spielen kapitalgedeckte Elemente, Betriebsrenten und verpflichtende Zusatzsysteme eine deutlich größere Rolle. Man kann deshalb nicht einfach das dortige Rentenniveau herausgreifen und auf Deutschland übertragen, ohne die gesamte Finanzierungsstruktur mitzudenken.

Deutschland muss sich ehrlich machen. Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob einzelne Jahrgänge ein höheres Rentenniveau bekommen. Die eigentliche Frage lautet, ob die gesetzliche Rente in ihrer heutigen Struktur für kommende Generationen überhaupt noch belastbar ist. Ein Umlagesystem, das immer weniger Beitragszahler mit immer mehr Leistungsansprüchen konfrontiert, kann nicht dauerhaft durch politische Versprechen stabilisiert werden.

Das bedeutet nicht, dass der Staat sich aus der Verantwortung ziehen darf. Die gesetzliche Rente bleibt ein wichtiger Baustein der Alterssicherung. Aber sie kann künftig nicht mehr allein die Erwartung erfüllen, den Lebensstandard im Alter umfassend abzusichern. Deshalb braucht es mehr Eigenverantwortung in der privaten Vorsorge, eine stärkere betriebliche Altersvorsorge und eine Arbeitswelt, die längere Erwerbsbiografien realistisch ermöglicht.

Eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ist kein Selbstzweck. Sie folgt der schlichten Tatsache, dass längere Lebenszeiten auch längere Rentenbezugszeiten bedeuten. Wenn diese zusätzlichen Jahre vollständig von den Beitragszahlern finanziert werden sollen, ohne dass sich die Lebensarbeitszeit anpasst, verschiebt man die Kosten einseitig auf die nächste Generation.

Ich halte das nicht für generationengerecht.

Deshalb müssen wir über das Rentensystem grundsätzlicher sprechen. Wir brauchen eine ehrliche Reformdebatte über Tragfähigkeit, Vorsorge und die Grenzen des Umlageverfahrens. Wer den Bürgern nur verspricht, dass alles so bleiben kann und zugleich höhere Leistungen fordert, handelt nicht verantwortungsvoll. Die Aufgabe der Politik ist nicht, Erwartungen zu bedienen, die rechnerisch nicht dauerhaft finanzierbar sind. Die Aufgabe der Politik ist, ein System so weiterzuentwickeln, dass es auch in zwanzig oder dreißig Jahren noch trägt.

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