Label
Warum wird Psychotherapie auf Facharztniveau schlechter bezahlt, obwohl der Bedarf stetig steigt?

Portrait von Sören Pellmann
Sören Pellmann
Die Linke
100 %
60 / 60 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Marie K. •

Warum wird Psychotherapie auf Facharztniveau schlechter bezahlt, obwohl der Bedarf stetig steigt?

Psychotherapeutinnen absolvieren ein Bachelor- und Masterstudium & eine mehrjährige Weiterbildung. Ausbildung, Verantwortung & wissenschaftlicher Anspruch entsprechen in Umfang und Niveau der fachärztlichen Ausbildung. Dennoch wurde beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % zu senken.

Der Weg in diesen Beruf ist bereits heute extrem anspruchsvoll & mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Studium, Weiterbildung und strukturelle Rahmenbedingungen führen dazu, dass sich viele angehende Psychotherapeutinnen verschulden müssen, bevor sie in ihren Beruf starten. Eine Honorarkürzung ist das falsche Signal.

Gleichzeitig warten Patientinnen bereits heute oft viele Monate auf einen Therapieplatz. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit & Frühverrentung-der Bedarf an Behandlung steigt.

Wer eine Versorgung auf Facharztniveau erwartet, muss auch strukturelle Voraussetzungen dafür schaffen.Psychotherapie ist kein Luxus.

Portrait von Sören Pellmann
Antwort von Die Linke

Sehr geehrte Frau K.,

vielen Dank für Ihre Frage.

Trotz steigendem  Bedarf an Psychotherapien  vor dem Hintergrund von diversen Krisen, Kriegen aber auch immer stärkerer Belastungen in der Arbeitswelt sparen die gesetzlichen Krankenkassen auf dem Rücken von Menschen, die psychotherapeutische Hilfe benötigen.

Die Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5% ab April 2026 bedeutet eine kritische Verschlechterung der Versorgung der Patienten. Psychotherapeuten werden somit in Zukunft ihre freien Termine noch stärker an Privatversicherte oder Selbstzahler zu geben. Das verfestigt die Zwei-Klassen-Medizin  in Deutschland.

Die Linke fordert eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Kassensitzen und eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sowie die Finanzierung der Weiterbildung von Psychotherapeuten.


Insgesamt muss  die Zwei-Klassen-Medizin abgeschafft und das Gesundheitssystem aus der Profitlogik befreit werden.

Mit freundlichen Grüßen

Sören Pellmann

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Sören Pellmann
Sören Pellmann
Die Linke

Weitere Fragen an Sören Pellmann