Was tun Sie gegen die geplanten negativen Veränderungen in der ambulanten Psychotherapie?
Ich bin Psychologischer Psychotherapeut in Leipzig und mache mir große Sorgen bezüglich der weiteren Entwicklung im selbständigen, ambulanten Bereich meines Berufes. Erst wurde eine pauschale Honorarkürzung von 4,5% von heute auf morgen im GKV Bereich beschlossen und nun stehen weitere Veränderungen an, die die aktuelle Versorgung und eine angemessene Vergütung stark gefährden: z.B. die psychotherapeutischen Leistungen sollen zukünftig womöglich nicht mehr extrabudgetär vergütet werden, was also zu einer Deckelung der jeweiligen Kapazitäten führen könnte. Viele meiner Kolleg*innen haben einen halben Kassensitz, da dies politisch so gewünscht war und auch für Patient*innen einen Vorteil mit sich brachte, da dadurch mehr Therapieplätze angeboten werden konnten. Nun könnte es passieren, dass sich ein halber Kassensitz durch die Decklung (in Zukunft evtl. nur noch 18 Sitzungen pro Woche, davor 24-26) nicht mehr rentieren wird. Weitere negative Entwicklungen sind geplant...
Sehr geehrter Herr K.,
vielen Dank für Ihre Frage. Vor dem Hintergrund von diversen Krisen, ausweitenden Kriegen aber auch immer stärkerer psychischen Belastungen in der Arbeitswelt steigt der Bedarf an Psychotherapien in der Gesellschaft. Trotzdem sparen die gesetzlichen Krankenkassen in diesem Bereich, und das auf dem Rücken von Menschen die psychotherapeutische Hilfe benötigen. Zudem verfestigt die Absenkung der Honorare die Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland.
Die Linke fordert daher eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Kassensitzen. Zudem ist eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sowie die Finanzierung der Weiterbildung von Psychotherapeuten nötig. Insgesamt gehört das Gesundheitssystem aus der Profitlogik befreit und die gesellschaftlichen Wurzeln der Krisen beseitigt.
Mit freundlichen Grüßen
Sören Pellmann
