Warum wird der Wunsch nach Erhalt des Berliner SEZ ignoriert? Warum die Eile beim Abreißen, weswegen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September?
Sehr geehrte Frau Bung,
Ich bin für den Erhalt des SEZ.
Die notwendige Schaffung bezahlbarer Wohnungen erfordert den Abriss des SEZ nicht. Das SEZ hatte eine wichtige Freizeit- und Erholungsfunktion und bietet auch künftig dieses Potential.
Mit freundlichen Grüßen
Juliane von B.
Sehr geehrte Frau von B.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Die emotionale Bindung vieler Berlinerinnen und Berliner an das SEZ ist nachvollziehbar. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass das SEZ seine frühere öffentliche Sport- und Erholungsfunktion bereits seit Ende 2002 nicht mehr erfüllt.
Von Eile beim Abreißen kann nicht die Rede sein: Vor mehr als 23 Jahren wurde die öffentliche Sportnutzung beendet; Teile des Gebäudes waren nicht mehr in Betrieb. Seit diesem Zeitpunkt wurden auch keine relevanten Erneuerungsmaßnahmen durchgeführt. Das Gebäude ist inzwischen wegen gravierender baulicher, technischer und sicherheitsrelevanter Mängel sowie wegen Schadstoffbelastungen nicht mehr regulär nutzbar. Sogar Zwischennutzungen wurden ausgeschlossen.
Zur politischen Einordnung: Die maßgebliche planungsrechtliche Entscheidung für die städtebauliche Neuordnung des Areals geht auf die Zeit von Rot-Rot-Grün zurück. Der Bebauungsplan 2-43 wurde bereits im Dezember 2018 beschlossen und anschließend rechtskräftig.
Hinzu kommt, dass im Umfeld bereits erhebliche Sport- und Freizeitangebote vorhanden sind, insbesondere die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark sowie das Velodrom. Mit dem Sportforum Hohenschönhausen gibt es im Berliner Osten einen weiteren bedeutenden Sportstandort.
Am Standort sollen mehr als 600 Wohnungen – davon 50 Prozent gefördert –, eine Schule sowie Frei- und Sportflächen entstehen. Die Geschichte des SEZ verdient Anerkennung. Aber entscheidend ist auch, was heute am Standort realistisch und sinnvoll ist. Für mich haben auf dem SEZ-Areal bezahlbarer Wohnungsbau, Schule und neue Sport-/Quartiersnutzungen auf Grundlage des bestehenden Bebauungsplans Priorität. Einen vollständigen Erhalt des SEZ halte ich nicht für sinnvoll. Der Erhalt einzelner Elemente, als Erinnerungszeichen, ist hingegen durchaus prüfenswert. Dabei sollten Wohnungszahl, Wirtschaftlichkeit und Zeitplan jedoch nicht gefährdet werden.
Mit freundlichen Grüßen
Stefanie Bung
