Wer sind die "Faulen" im Land
Sehr geehrter Herr Poreski,
Leider verengt sich die Diskussion um die "Lifestyle-Teilzeit" auf die Gründe, warum Arbeitnehmer Teilzeit nehmen. Dabei gibt es reihenweise Wohlhabende, die es nicht nötig haben, mehr oder gar überhaupt zu arbeiten. Wer spricht über die Privatiers?
Beispielsweise genügt es in München 3 Durchschnittswohnungen zu vermieten (auf dem Land können es auch schon mal 11 sein, wobei man leichter an 11 Wohnungen auf dem Land kommt als an 3 Wohnungen in München) um daraus ein höheres Einkommen als einen Durchschnittsverdienst zu erzielen. Wobei vom Durchschnittsverdienst noch mehr Sozialabgaben und Steuern abgehen als von Miet- oder sonstigen Kapitaleinnahmen. Wenn man solche Menschen vor die Wahl stellt "Vollzeit oder gar nicht!", wie werden die sich wohl entscheiden? Eigentum verpflichtet. Wie wollen Sie sehr Wohlhabende motivieren, Ihre Arbeitskraft und ihr Vermögen zum Wohl der Gesellschaft einzubringen?
Freundliche Grüße
Matthias J.
Sehr geehrter Herr J.,
Politik hat die Aufgabe mit sinnvollen und transparenten Regelungen einen sinnvollen Rahmen dafür zu setzen, dass es im Land insgesamt fair zugeht und Verfassungsgrundsätze wie die Sozialpflichtigkeit des Eigentums eingehalten werden. In den von Ihnen geschilderten Fällen wären da zum Beispiel eine wirksame Mietpreisbremse oder eine faire Erbschaftssteuer - Bsp.: Wenn Sie eine Wohnung erben, zahlen Sie berechtigterweise Erbschaftssteuer; wenn Sie 300 erben, bezahlen Sie keine… - relevant. Was ich ablehne, ist Menschen vorzuschreiben, wie sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten - die vielgestaltig sein können, auch familiäre Verpflichtungen, Krankheit oder Ehrenamt beinhalten können - zu leben haben. Solche Gedankenspiele - siehe Lifestyle-Teilzeit - überlasse ich als Grüner gerne den tatsächlichen Verbotsparteien - die gerne anderen dieses Etikett anheften.
Mit besten Grüßen
Thomas Poreski
