Nachfrage zu Ihrer Antwort vom 28.09./30.09.: Schützt politische Macht vor der roten Karte, und wie heilen wir diese Unkultur?
Sehr geehrter Herr Frei,
danke für Ihre Antwort. Sie verweisen auf formale Abläufe und umschiffen leider zudem meine Kritik an der politischen Kultur.
Dass jeder Abgeordnete gleich behandelt würde, blendet die Chronologie aus: Die Fraktionsspitze gewährte Herrn Spahn zunächst eine Sonderregelung („Bewährungsfrist“). Erst nach internem Aufstand und öffentlichem Druck folgte sein Rückzug. Sie und Herr Merz hätten viel früher die rote Karte zeigen müssen – hier wie im Juli. Dass ein Machtwort ausblieb, zeigt, dass Netzwerke im Zweifel vor Konsequenzen schützen.
Wenn Machterhalt, Seilschaften, ja, "politisches Talent" wichtiger sind als moralische Integrität, beschädigt das das Vertrauen in die Demokratie fundamental. Glaubwürdigkeit bewahrt man nicht durch das nachträgliche Verwalten von Unausweichlichem.
Meine Frage: Wie wollen Sie dieser Unkultur in Ihrer Fraktion entgegentreten und verlorenes Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger konkret zurückgewinnen?
Danke für Ihre Mühen!
MfG
CB
Sehr geehrte Frau B.,
ich habe in diesem Fall keine Sonderregelung o.ä. zugesagt. Dies war eine Deutung, die auch ich in den Medien mit Erstaunen zur Kenntnis genommen habe. Richtig ist, dass es Gespräche gab, in denen wir gemeinsam Lösungswege besprochen haben. Für alle Mitglieder unserer Fraktion gelten dieselben Anforderungen an Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und die gewissenhafte Wahrnehmung ihrer Aufgaben. Jens Spahn hat inzwischen die Konsequenz gezogen und den Haushaltsausschuss verlassen. Entscheidend ist für mich, dass sich jedes Mitglied unserer Fraktion seiner besonderen Verantwortung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern bewusst ist.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Frei
