Was kostet uns die Technologieoffenheit?
Sehr geehrter Herr Frei,
Sie bestehen in Ihren Statements und Antworten häufiger auf die Technologieoffenheit. Da würde mich interessieren, wie viel der erneuerbare Ammoniak- und Wasserstoff-Korridor Yanbu-Rostock den Steuerzahler Ihrer Ansicht nach kosten wird?
Nach meinen Recherchen kostet der LNG-Liefervertrag für direkte Erdgaslieferungen von Katar nach Deutschland bei Aufhebung von Force Majeure im September den Steuerzahler 0 €, da ConocoPhillips das Risiko trägt; der Staat investierte lediglich 740 Mio. € via KfW in das Terminal Brunsbüttel.
Dagegen zahlen die Steuerzahler für den "technologieoffenen" Saudi-Wasserstoff-Korridor nach Rostock knapp 4 Mrd. € zur Preissubventionierung über die H2Global-Stiftung sowie rund 4,6 Mrd. € über das IPCEI-Infrastrukturprogramm (Hy2Infra) für den Netzumbau. Siehe "BMWK H2Global Förderfenster 900 Millionen" und "Bundesregierung IPCEI Hy2Infra Wasserstoff 4,6 Mrd". Was bringen uns diese Mehrausgaben?
Mit freundlichen Grüßen
Thomas M
Sehr geehrter Herr M.,
Technologieoffenheit bedeutet für mich, dass wir uns nicht frühzeitig auf einzelne Technologien festlegen, sondern unterschiedliche Optionen für eine sichere, bezahlbare und klimaneutrale Energieversorgung ermöglichen. Dazu gehört neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien und Speichern auch Wasserstoff. Gerade für Bereiche, die sich nicht oder nur schwer direkt elektrifizieren lassen, werden wir auf absehbare Zeit auf Wasserstoff und wasserstoffbasierte Energieträger angewiesen sein. Deshalb ist es sinnvoll, bereits heute entsprechende internationale Lieferketten und die dafür erforderliche Infrastruktur aufzubauen.
Die von Ihnen genannten 4,6 Milliarden Euro für IPCEI-Wasserstoffprojekte sind allerdings nicht einem einzelnen Wasserstoffkorridor von Saudi-Arabien nach Rostock zuzuordnen. Sie umfassen eine Vielzahl von Projekten entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette. Auch die H2Global-Mittel sind nicht ausschließlich für den von Ihnen angesprochenen Korridor vorgesehen. Bei dem Projekt Yanbu–Rostock handelt es sich zudem zunächst um eine Absichtserklärung zwischen den beteiligten Unternehmen. Welche konkreten öffentlichen Mittel hierfür letztlich erforderlich sein werden, lässt sich daher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös beziffern.
Entscheidend ist für mich, dass staatliche Förderung dort eingesetzt wird, wo sie einen Markthochlauf ermöglicht und langfristig private Investitionen mobilisiert. Gleichzeitig müssen die Wirtschaftlichkeit und der Nutzen für den Standort Deutschland regelmäßig überprüft werden. Ihr Hinweis auf die unterschiedlichen Förderansätze bei LNG und Wasserstoff ist dennoch berechtigt. Gerade bei neuen Technologien müssen wir darauf achten, dass aus einer Anschubfinanzierung keine dauerhafte Subventionierung wird.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Frei
