Warum werden Pflegekinder bei den steuerlichen Freibeträgen zu Erbschaften und Schenkungen im Vergleich zu leiblichen oder adoptierten Kindern massiv benachteiligt?
Sehr geehrter Herr Klüssendorf,
ich habe gelesen, dass Sie bei einer evtl. Reform der Erbschaftssteuer einen Lebensfreibetrag bei der Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen befürworten würden.
In diesem Zusammenhang meine Frage und hier eine Konkretisierung:
Erbschaft von 100.000€ an ein leibliches oder adoptiertes Kind:
0,00 € Erbschaftssteuer (Freibetrag 400.000€)
Gleiche Summe an ein Pflegekind vererbt:
24.000 € Erbschaftssteuer (Freibetrag 20.000, Rest 30 %)
Warum gibt es diese Benachteiligung, sind Pflegekinder, die erfahrungsgemäß relativ oft benachteiligt sind, Kinder zweiter Klasse?
Vielleicht ist es Ihnen möglich, sich im Rahmen einer eventuellen Änderung der Erbschaftssteuer für eine Angleichung der Freibeträge zu engagieren.
Vielen Dank für's Lesen. Wolfgang M.
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Zuschrift.
Ich kann Ihren Unmut sehr gut nachvollziehen. Aus meiner Sicht muss das Thema stärker öffentlich debattiert werden. Insgesamt halte ich eine Debatte über die Relevanz des Verwandtschaftsverhältnisses in der Erbschaftssteuer für sinnvoll.
Als SPD haben wir einen umfassenden Vorschlag für eine Reform der Erbschaftssteuer vorgelegt. Das Erbschaftsrecht muss dringend modernisiert und gerechter gestaltet werden. Grundsätzlich bildet eine Reform der Erbschaftssteuer die Chance, dass wir die Überprivilegierung extrem großer Erbschaften und Schenkungen endlich beenden oder zumindest abbauen.
Teil dieses Vorschlags ist auch ein Lebensfreibetrag von einer Millionen Euro, davon einhunderttausend Euro von Personen, die rechtlich nicht als verwand gelten. Das Verwandtschaftsverhältnis wird im Zivilrecht, nicht im Erbschaftsrecht, festgeschrieben. Damit würde der Freibetrag für Personen für diese Gruppe schon erheblich erhöht werden, was aus meiner Sicht ein moderneres Erbschaftsrecht wäre. Dennoch kann ich Ihr Anliegen gut nachvollziehen. Dieses Thema ist mir bekannt und ich werde es weiterhin verfolgen.
Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Beste Grüße
Tim Klüssendorf
