Auf welche Szenarien und Quellen stützen sich die genannten Verlustschätzungen?
Sehr geehrte Frau Zobel,
mit Sorge habe ich jüngste Aussagen von Patrick Sensburg, dem Präsident des Deutschen Reservistenverbandes, über mögliche tägliche Verluste deutscher Soldatinnen und Soldaten im Ernstfall zur Kenntnis genommen. Ich bitte um schriftliche Auskunft zu folgenden Punkten:
Welche diplomatischen Maßnahmen werden derzeit priorisiert, um ein solches Szenario aktiv zu verhindern?
Warum wird in öffentlichen Aussagen selten betont, dass Kriegsvermeidung oberste Priorität besitzt und welche Mittel dazu ausgeschöpft werden?
Wie stellen Sie sicher, dass Sprache, die Menschen als „ersetzbar“ erscheinen lässt, öffentlich nicht normalisiert wird?
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
Mit freundlichen Grüßen
Tanja E.
Sehr geehrte Frau E.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und dafür, dass Sie Ihre Sorgen so offen formulieren. Die Vorstellung von hohen Verlusten unsere Soldatinnen und Soldaten bewegt viele Menschen.
Für uns ist klar: Kriegsvermeidung hat oberste Priorität. Diplomatie steht immer an erster Stelle. Deutschland setzt sich gemeinsam mit seinen Partnern für Deeskalation, Dialog und internationale Zusammenarbeit ein. Dennoch sehen wir eine wachsende Bedrohung von China und Russland, eben durch eine hybride Kriegführung, Drohnenangriffe oder Spionage Aktivitäten. Deshalb müssen wir „Verteidigen können, um es nicht zu müssen“ (Zitat von Kanzler Merz)
Eine verantwortungsvolle Politik fordert, Szenarien durchzudenken, Vorbereitungen zu schaffen, um nicht überrascht zu werden, und mögliche Gegner abzuschrecken. Z.B. geht es beim Aufrüsten nicht um den Wunsch einen Krieg zu starten, sondern viel mehr um Abschreckung, da keiner ein Land angreift, welches sich gut verteidigen kann.
Am Ende kann niemand einen Krieg einfach verhindern. Wir können vorsorgen und alles tun, um ihn abzuschrecken oder abzumildern. Die Entscheidung trifft jedoch immer das angreifende Land. Niemand sucht sich einen Krieg aus. Auch die Ukraine hat sich nicht ausgesucht, dass auf ihrem eigenen Boden gekämpft wird. Das wird in der Debatte manchmal erstaunlich gern übersehen.
Außerdem sind Soldatinnen und Soldaten keine abstrakten Zahlen, sondern Menschen mit Familie, Wünschen und Ängsten. Sprache darf niemals den Eindruck wecken, menschliches Leben sei kalkulierbares Material. Dafür setze ich mich in politischen Gesprächen und in öffentlichen Auftritten ein.
Vielen Dank für Ihre Frage und Ihren Beitrag zur politischen Debatte.
Falls Sie weiter Fragen haben, dürfen Sie sie mir gerne in meinen Telefon-/Videosprechstunden stellen oder meinen Newsletter und Instagram-Kanal verfolgen, möglicherweise klären sich dort schon Rückfragen.
Mit freundlichen Grüßen
Vanessa Zobel
