Sehr geehrte Frau Hubertz, wie wollen sie wohnen, sprich Eigentum, wieder bezahlbar machen?
Sehr geehrte Frau Hubertz,
Wohnen ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen, Eigentum ein Lebenstraum für viele. Leider muss ich feststellen, dass es in diesem Land eine schreckliche Entwicklung gibt, die seit Jahren anhält. Die Immobilienpreise sind völlig entkoppelt von der Lebensrealität vieler Menschen und sind steil nach oben geschossen. Ich wohne in einer kleinen Stadt am Rande des Ruhrgebiets, und hier kosten abbruchreife Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften ca. 400.000–500.000 EUR (die Kernsanierung muss dann noch hinzugerechnet werden). Da wir eine junge Familie sind, die ihr zweites Kind erwartet, wissen wir nicht, wie wir die Zukunft planen oder gestalten sollen. Wohnraum ist unterm Strich einfach viel zu teuer. Wir haben ein monatliches Haushaltseinkommen in Höhe von fast 5000 EUR, und es ist uns nicht möglich, damit etwas zu erreichen. In anderen EU-Ländern, z. B. Dänemark, sind die Preise deutlich niedriger (etwa so hoch wie hier vor 10 Jahren). Hochachtungsvoll NB
Sehr geehrter Herr B.,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Entschuldigen Sie bitte vielmals die verzögerte Rückmeldung. Das Aufkommen an Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern ist sehr hoch. Daher hat die Beantwortung Ihrer Anfrage leider etwas Zeit in Anspruch genommen. Ich bitte hier um Ihr Verständnis.
Mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, insbesondere für Familien, ist eines der zentralen Ziele meiner Arbeit. Um dieses zu erreichen, hat das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) im Jahr 2025 eine Rekordsumme von 3,5 Milliarden Euro in den sozialen Wohnungsbau investiert. Damit stärken wir Länder und Kommunen dabei, mehr bezahlbare Wohnungen zu schaffen und bestehende Förderstrukturen verlässlich weiterzuführen.
Durch die Restrukturierung und Vereinfachung der Förderlandschaft schafft das BMWSB außerdem mehr Übersichtlichkeit und Zielgenauigkeit. Das Geld soll schneller dort ankommen, wo zügig, innovativ und effizient neuer Wohnraum entsteht. Mit den Förderprogrammen „Wohneigentum für Familien“ und „Jung kauft Alt“ werden beispielsweise gezielt Familien beim Eigentumserwerb im Neubau und im Bestand unterstützt. Auch die Wohnungsbauprämie und die Arbeitnehmersparzulage können Familien und Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen dabei unterstützen, Eigenkapital für den Erwerb oder die Modernisierung von Wohneigentum aufzubauen. Ein großer Teil der Neubau- und Bestandsprogramme des BMWSB ist langfristig über das 2025 beschlossene Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität in Höhe von 500 Milliarden Euro abgesichert, was für Planungssicherheit sorgt.
Darüber hinaus adressiert das BMWSB mit dem Aktionsplan zur Senkung der Baukosten auch dieses Thema explizit. Denn hohe Baukosten sind einer der Hauptgründe, warum in Deutschland zu wenig gebaut wird. Planungs- und Genehmigungsprozesse werden somit deutlich beschleunigt, Bau- und Erwerbsnebenkosten spürbar gesenkt und zugleich Qualität sowie Sicherheitsstandards weiterhin verlässlich gewährleistet. Innovation, Digitalisierung und industrielle Bauprozesse werden konsequent genutzt, um Produktivität und Planungssicherheit zu erhöhen. Dazu setzt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) auf drei zentrale Hebel:
- Technologie und Innovation, um Effizienzreserven zu erschließen und Bauprozesse zu modernisieren;
- Förderung und Anreize, um Investitionen zu erleichtern und wirtschaftliche Belastungen zu reduzieren;
- Koordination und Regulierung, um Standards zu vereinfachen, Verfahren zu beschleunigen und vorhandenes Wissen besser zu nutzen.
Nicht zuletzt soll zukünftig auch einfacher gebaut werden können. Deshalb fördert das BMWSB gezielt serielle und modulare Bauweisen. Sprich, Bauteile werden genormt, in der Fabrik industriell vorproduziert und anschließend auf der Baustelle verbaut. Dieser Prozess senkt die Baukosten erheblich. Auch der Gebäudetyp E setzt genau hier an: Er steht für einfacheres, effizienteres und kostengünstigeres Bauen. Beim Gebäudetyp E werden Spielräume eröffnet, von Standards abzuweichen, die für Sicherheit, Gesundheitsschutz und hohe Qualität nicht zwingend erforderlich sind. Auch so können Baukosten reduziert und Projekte schneller umgesetzt werden.
Weitere Informationen zu diesem Themenbereich finden Sie im Aktionsplan zur Senkung der Baukosten des BMWSB: https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/pm-kurzmeldung/aktionsplan-baukosten.pdf?__blob=publicationFile&v=1
Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Verena Hubertz
