Sind Sie auch der Meinung, dass die Arbeitnehmer*innen in Deutschland zu oft krank feiern und zu wenig leisten, das Krankengeld gekürzt und ein Karenztag eingeführt werden sollte?
Sehr geehrte Frau Hubertz, ich finde es schwierig in der Diskussion in der Gesundheitspolitik in der letzten Zeit zu folgen. Gerade als SPD-Mitglied und Diplom Betriebswirt, der sich schon seit 18 Jahren in Betriebsräten und Gewerkschaften für Mitarbeitenden im Gesundheitswesen einsetzt, finde ich die Diskussionen hanebüchend. Ein Professor, während des Studiums, hat immer darauf verweisen, dass nicht die Arbeitskosten aussagekräftig über die Zukunftsfähigkeit einer Volkswirtschaft ist, sondern die Produktivität pro Arbeitsstunde. Noch nie wurde in Deutschland soviele Arbeitstunden geleistet wie heute. Leider höre ich in den Diskussionen in den Medien von der SPD wenig. Gleichzeitig werden die Erfolge der letzten Jahrzehnte, die den Arbeitsmarkt flexibler gemacht haben und die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen die nur Teilzeit arbeiten können, als Lifestyle und Faulenzertum gebrandmarkt. Ich würde gerne wissen, wie Sie als abgeordnete hierzu stehen?
Sehr geehrter Herr D.,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Entschuldigen Sie bitte vielmals die verzögerte Rückmeldung. Das Aufkommen an Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern ist sehr hoch. Daher hat die Beantwortung Ihrer Anfrage leider etwas Zeit in Anspruch genommen. Ich bitte hier um Ihr Verständnis.
Zu Ihrer Frage: Ich bin nicht der Meinung, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland zu oft krank feiern und zu wenig leisten. Nach Einsatz der SPD hat der Koalitionsausschuss am 1. Juli 2026 den von Ihnen angesprochenen Vorschlag aus den Reihen der Union zur Einführung eines Karenztages bei der Lohnfortzahlung nicht in die Vereinbarungen aufgenommen. Ebenso wurden keine Kürzungen des Krankengeldes und keine Einschränkungen der Teilzeit beschlossen.
Generell ist mir wichtig, dass die politische Debatte zu diesen Themen sachlich und differenziert geführt wird. Im öffentlichen Diskurs muss stärker berücksichtigt werden, in welcher konkreten Situation sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer befinden. Unterstellungen helfen nicht weiter.
Für mich ist klar: Deutschland braucht mehr Produktivität, gute Arbeitsbedingungen und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Gesundheit. Dazu gehört auch, die Menschen zu unterstützen, die mehr arbeiten möchten, ohne diejenigen abzuwerten, die aus guten Gründen in Teilzeit arbeiten.
Denn Teilzeitarbeit bleibt für viele Menschen unverzichtbar, beispielsweise aufgrund von Kinderbetreuung, Ehrenamt, Pflege von Familienmitgliedern oder gesundheitlicher Belastungen. Diese Lebensrealitäten verdienen Respekt und sind nicht pauschal Ausdruck mangelnder Leistungsbereitschaft. Es ist zudem nicht Aufgabe des Staates, zwischen guten und schlechten persönlichen Lebensentwürfen zu unterscheiden.
Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen zu haben. Nochmals vielen Dank für Ihre Anregungen.
Mit freundlichen Grüßen
Verena Hubertz
