Warum wird Psychotherapie auf Facharztniveau schlechter bezahlt, obwohl der Bedarf stetig steigt?
Psychotherapeutinnen absolvieren ein Bachelor- und Masterstudium & eine mehrjährige Weiterbildung. Ausbildung, Verantwortung & wissenschaftlicher Anspruch entsprechen in Umfang und Niveau der fachärztlichen Ausbildung. Dennoch wurde beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 % zu senken.
Der Weg in diesen Beruf ist bereits heute extrem anspruchsvoll & mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden. Studium, Weiterbildung und strukturelle Rahmenbedingungen führen dazu, dass sich viele angehende Psychotherapeutinnen verschulden müssen, bevor sie in ihren Beruf starten. Eine Honorarkürzung ist das falsche Signal.
Gleichzeitig warten Patientinnen bereits heute oft viele Monate auf einen Therapieplatz. Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit & Frühverrentung-der Bedarf an Behandlung steigt.
Wer eine Versorgung auf Facharztniveau erwartet, muss auch strukturelle Voraussetzungen dafür schaffen.Psychotherapie ist kein Luxus.
Sehr geehrte Frau K.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Die Sorgen, die Sie schildern, nehmen wir als Grüne Landtagsfraktion ernst und wir teilen sie.
Der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen ab April 2026 um 4,5 Prozent abzusenken, ist gerade in einer Zeit, in der psychische Erkrankungen zunehmen und der Bedarf an Behandlungsplätzen wächst, bedenklich.
Der Erweiterte Bewertungsausschuss trifft seine Entscheidungen im Rahmen der gemeinsamen Selbstverwaltung grundsätzlich unabhängig und unterliegt keinen direkten politischen Weisungen. Umso wichtiger ist es, die politischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass eine bedarfsgerechte Versorgung sichergestellt wird.
Als Grüne Fraktion im Landtag NRW setzen wir uns für eine Gesundheitspolitik ein, die psychische und körperliche Gesundheit gleichwertig behandelt. Dazu gehört für uns ausdrücklich, frühzeitig und niedrigschwellig zu handeln. Denn wer Menschen schnell und gut versorgt, verhindert Chronifizierung, Arbeitsausfall und langfristig weit höhere Kosten für das Gesamtsystem. Wer stattdessen an der Vergütung ambulanter Psychotherapie spart, droht genau diese Versorgung zu gefährden.
Wir verfolgen die weiteren Entwicklungen, darunter die angekündigten Klageverfahren sowie die geforderte Überprüfung der Berechnungssystematik bis September 2026, aufmerksam und werden das Thema politisch adressieren.
Viele Grüße
Wibke Brems
