Frage an André Hahn bezüglich Recht

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André Hahn
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Frage an André Hahn von Inge M. bezüglich Recht

Hallo Dr. Hahn,
wie stehen Sie zum Profisport? Aus meiner Sicht unterstützen Sie ein kapitalistisches Finanzimperium. Im Fußball werden Menschen für Millionen Euro gekauft und verkauft - Menschenhandel? Sklavenmarkt? Ist die Arbeit eines Fußballspielers echt Million wert, die er bekommt? Während Millionen Menschen in Deutschland hungern. Und kein Geld für den Breitensport da sein soll? Eltern können Ihre Kinder nicht in Vereine schicken, weil das Geld fehlt um den Beitrag zu finanzieren, womit dann die Eliten die Millionen schäffeln. Mit Ihren Besuchen bei WMs, EMs usw. unterstützen Sie doch dieses System.

Frage von Inge M. am
Thema
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 1 Monat

Sehr geehrte Frau M.,

vor allem vielen Dank Ihnen dafür, dass Sie mir eine Frage zu einem so heiklen Thema wie dem Profisport gestellt haben.

Ich teile vom Grundsatz Ihre kritische Position. Mehrfach äußerte ich öffentlich, dass sich der (Profi)Fußball zunehmend zu einer moralfreien Zone entwickelt. Die Millionen, die heutzutage einige wenige Fußballspieler verdienen bzw. die für ihre Vereinswechsel gezahlt werden, machen den Fußball kaputt und bringen letztlich den gesamten Sport in Misskredit. Ich würde aber nicht so weit gehen, von einem Sklavenmarkt zu sprechen, weil die Fußballspieler in der Regel Vereinswechsel und entsprechende Verträge nicht gegen ihren Willen unterzeichnen. Wir leben leider in der Welt, in der der Sport und vor allem Fußball immer mehr kommerzialisiert wird. Der Profit steht im Mittelpunkt; Korruption, Doping usw. sind weitere Begleiterscheinungen. Dagegen haben sich DIE LINKE. und auch ich mich persönlich als sportpolitischer Sprecher der Fraktion immer wieder klar positioniert.

Trotzdem ist Leistungssport an sich nichts Schlechtes. Leistungssportlerinnen und –sportler können inspirieren, als Vorbilder wirken und motivieren damit vor allem Kinder und Jugendliche, selbst Sport zu treiben. Damit verbunden ist die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Spitzensport zieht weltweit ein Millionenpublikum in den Bann, bietet Sport auf höchstem Niveau und ob im nationalen oder internationalen Vergleich fiebern Fans für ihre Sportlerinnen und Sportler bzw. Mannschaften.

Spitzensport – so ehrlich muss man sein – kann heutzutage in keinem Land mehr einfach so nebenbei betrieben werden. Und die Mehrzahl der Spitzensportlerinnen und –sportler sind wahrlich keine Millionäre, weder in Deutschland, noch in anderen Staaten. Im Gegenteil: Viele bekommen nur eine geringe Entlohnung, verzichten auf ihre berufliche Karriere und nehmen auch eine geringere Rente sowie gesundheitliche Spätfolgen in Kauf. Ohne die finanzielle Unterstützung von den Eltern bzw. Familien, ohne Sponsoring und Spenden könnten viele Sportlerinnen und Sportler nicht mehr im Leistungssport aktiv werden und immer mehr von Ihnen beenden trotz entsprechender Leistungen vorzeitig ihre Sportkarriere. Ähnlich stellt sich die Situation auch für ihre Trainerinnen und Trainer dar, und noch mehr benachteiligt ist der Behindertensport.

DIE LINKE engagiert sich deshalb gleichermaßen für den Breiten-, Schul- und Spitzensport. Alle Menschen müssen die Möglichkeit haben, Sport zu treiben. Dagegenstehende finanzielle, kulturelle und bauliche Barrieren müssen beseitigt werden. Ich verweise hier auf den Entschließungsantrag meiner Fraktion zum 13. Sportbericht der Bundesregierung (Drucksache 18/10876 vom 17.01.2017). In diesem Antrag hat DIE LINKE ihre sportpolitischen Leitlinien zur Diskussion gestellt. Meine Positionen zum Sport und auch zum Profisport werden ebenso in vielen weiteren Reden und parlamentarischen Initiativen deutlich. Auch diese finden Sie auf meiner Homepage www.andre-hahn.eu .

Sportliche Grüße
André Hahn

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