Sehr geehrter Herr Noack, wie stehen Sie zu der geplanten Rentenreform, in der das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt ist?
Sehr geehrte Frau K.,
Entschuldigen Sie die verspätete Antwort auf Ihre Frage. Es sind halt Ferien und Sommerpause. Ich möchte Ihre Frage, welche eine bundespolitische Fragestellung betrifft, versuchen aus meiner persönlichen Betrachtung zu beantworten. Eine stetig steigende Lebenserwartung stellt die Finanzierung von umlagefinanzierten Sozialversicherungsleistungen vor Herausforderungen. Demzufolge ist die Diskussion und auch die Anpassung grundsätzlich richtig. Politik muss natürlich auch den Vertrauensschutz gegenüber den betroffenen Beziehern von Leistungen einhalten. Die einseitige Veränderung ohne die persönlich erbrachte Lebensleistung zu berücksichtigen halte ich nicht für zielführend, da hier der Vertrauensschutz nicht gewährleistet wäre. Andererseits halte ich es für sinnvoll Menschen, welche über die geltende Regelaltersgrenze hinaus eine selbständige oder nichtselbständige Tätigkeit ausüben möchten auch finanzielle Anreize zu gewähren. Diese sollten dem Grundsatz folgen, dass ein persönlicher und auch ein Vorteil für das Gesamtfinanzierungssystem entsteht. Darüber hinaus halte ich es für sinnvoll den jüngeren Beitragszahlenden auch klar zu kommunizieren, das eine Anpassung des gesetzlichen Rentenversicherungssystems im Interesse aller ist. Dies betrifft Einzahlende genauso wie Empfänger von Leistungen. Darüber hinaus lassen Sie mich anmerken, das das heutige System der gesetzlichen Rentenversicherung schon mit über 100 Mrd. € jährlich steuerfinanziert ist. Schon diese Tatsache darf nicht unerwähnt bleiben und macht den Handlungsdruck deutlich. Diese steuerfinanzierte Deckung wird auch von Bürgern getragen, welche keine oder nur geringe Ansprüche aus dem Umlagesystem haben.
Das Thema ist in der Vergangenheit komplex gewesen und wird es auch bleiben. Ich hoffe aber Ihnen zumindest meine Betrachtung des Sachverhaltes in groben Zügen beantwortet zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Noack
