Sollte der Leistungsteil dienstlicher Beurteilungen nach der Maxime ‚Leistung = Arbeit : Zeit‘ ausgerichtet und der Befähigungsteil primär auf die Ergebnisse von IQ-Tests gestützt werden?
Der Öffentliche Dienst in Deutschland erscheint leistungsschwach, was sich z. Zt. dramatisch am Beispiel der Bundeswehr zeigt: Trotz vierthöchster Verteidigungsausgaben im internationalen Vergleich liegt die Kampfkraft der Bundeswehr allenfalls auf Platz 14 (Quelle: STATISTA, akt. Veröffentlichungen).
Die Beförderungen und damit die Besetzung von Schlüsselpositionen im Öffentlichen Dienst sind weitgehend abhängig von den Ergebnissen dienstlicher Beurteilungen. Hier wird seit langem gemutmaßt, infolge politisch bedingter Ämterpatronage werde nicht hinreichend objektiv gewertet (instruktiv Nokiel, DÖD 2021 S. 116 - 121; von Arnim, DVBl 2021 S. 481 - 490; Bochmann, ZBR 2023 S. 325 - 340).
Könnte die Stützung dienstlicher Beurteilungen auf annähernd objektiv messbare Parameter diesem Eindruck entgegen wirken?
Sehr geehrter Herr C.,
Leistungsfähigkeit, Motivation und faire Aufstiegschancen im öffentlichen Dienst sind zentrale Voraussetzungen für einen handlungsfähigen Staat. Dabei ist uns wichtig, Leistung anzuerkennen, Mitarbeitende wertzuschätzen und Strukturen regelmäßig zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Die von Ihnen vorgeschlagene Formel „Leistung = Arbeit : Zeit“ greift aus meiner Sicht jedoch zu kurz. Leistung im öffentlichen Dienst bemisst sich nicht allein an Zeitaufwand oder Quantität, sondern auch an Qualität, Wirkung, Verantwortung, Teamfähigkeit, Führungskompetenz und Problemlösungskompetenz. Gerade in komplexen Aufgabenfeldern wie etwa bei der Bundeswehr, in der Verwaltung oder im Sicherheitsbereich sind diese Faktoren entscheidend.
Auch eine primäre Orientierung des Befähigungsteils an IQ-Tests sehe ich kritisch. IQ-Tests messen sehr spezifische kognitive Fähigkeiten, bilden jedoch soziale Kompetenz, Urteilsfähigkeit, ethische Verantwortung, Stressresilienz, Führungsstärke und strategisches Denken nur unzureichend ab. Diese Fähigkeiten sind für Führungs- und Schlüsselpositionen im öffentlichen Dienst jedoch zentral.
Gleichzeitig teilen wir die Einschätzung, dass dienstliche Beurteilungen transparenter, nachvollziehbarer und objektiver werden müssen, um dem Eindruck von Intransparenz oder politischer Einflussnahme entgegenzuwirken. Ansatzpunkte hierfür sind aus unserer Sicht:
- klar definierte, überprüfbare Kriterien und Kompetenzprofile,
- stärkere Nutzung von mehrperspektivischen Verfahren (z. B. strukturierte Beurteilungsgespräche, Feedback-Elemente),
- bessere Schulung von Beurteilenden,
- sowie eine regelmäßige Evaluation der Beurteilungssysteme selbst.
Ziel muss ein System sein, das Leistung fair abbildet, Potenziale erkennt und Motivation fördert, statt sich auf vermeintlich objektive Einzelkennzahlen zu verengen. Eine moderne Personalentwicklung setzt auf Transparenz, Vielfalt von Kompetenzen und kontinuierliche Verbesserung – nicht auf einfache Messformeln.
Diesen Weg unterstützen wir ausdrücklich und sehen hier weiterhin Reformbedarf im öffentlichen Dienst.
Mit freundlichen Grüßen
Anna Lührmann
