Frage an Bernd Lucke bezüglich Europapolitik und Europäische Union

Bernd Lucke
Bernd Lucke
Liberal-Konservative Reformer

Frage an Bernd Lucke von Hjr Ervßare bezüglich Europapolitik und Europäische Union

Sehr geehrter Herr Lucke.

Sie möchten, das Griechenland den Euro verlässt.
Ich sehe darin folgendes Problem. Wenn Griechenland aus dem Euro austritt und den Drachme annimmt, wird der Drachme auf den fairen Wert der Wirtschaft abwerten. Um ca. 50%. Die Waren in den Geschäften/Fabriken sind aber in Euro eingekauft worden. Mit der Abwertung sinkt die Kaufkraft analog um ca. 50%. Damit sind diese Produkte nur schwer verkäuflich- Eine Pleite- und Entlassungswelle ist zu erwarten. Die Kaufkraft sinkt weiter. Dem Staat fallen damit die Einnahmen weg und die Sozialausgaben steigen. Der Markt ist auf Jahre hinaus zerstört. Der Staatsbankrott ist wahrscheinlich.
Dazu kommen weiter Probleme ..., wie werden die Wirtschafts-, bzw. Handelsverträge angepasst. Vorhanden Importbestellungen? Von den sozialen Auswirkungen ganz zu schweigen.

Wie wollen sie diesem Szenario entgegenwirken?

Mit freundlichen Grüßen
U.Reißner

Frage von Hjr Ervßare
Antwort von Bernd Lucke
22. Mai 2014 - 19:38
Zeit bis zur Antwort: 4 Tage 23 Stunden

Sehr geehrter Herr Reißner,

Griechenland befindet sich in einer schweren Krise, die nicht nur für die dort lebenden Menschen fatal ist, sondern auch die Wirtschaft auf ein Minimum heruntergefahren hat. Die von Ihnen angesprochene Pleite- und Entlassungswelle hat schon lange stattgefunden. Ohnehin war Griechenland auch vor der Krise kein Land, in dem nennenswerte industrielle Produktion stattfand. Von Lagerbeständen in großem Umfang ist daher nicht auszugehen.

Ein griechischer Staatsbankrott ist unabwendbar. Er wurde durch die Rettungspakete nur verschoben. Aber das Ausmaß des Bankrotts wird gemildert, wenn Griechenland eine seiner wirtschaftlichen Leistungskraft entsprechende Währung hat. Nur so sind Exporte Griechenlands – das sind schwerpunktmäßig landwirtschaftliche Produkte - am Markt wieder konkurrenzfähig. Und nur die Produktion konkurrenzfähiger Produkte wird in Griechenland Arbeitsplätze schaffen und dem griechischen Staat die Chance geben, Steuereinnahmen zu erzielen.

Die Abwertung der griechischen Währung macht griechische Produkte im Ausland billiger und steigert deshalb die Exporte. Im Inland werden die Preise griechischer Produkte nicht verändert. Allerdings werden ausländische Produkte für Griechen durch die Abwertung der Drachme teurer. Deshalb kaufen die Griechen nach der Abwertung mehr inländische und weniger ausländische Produkte. Die Nachfrage in Griechenland steigt also.