Label
Ist es möglich, ihre Meinung zum Monitoring des NIPT zu überdenken?

Portrait von Carmen Wegge
Carmen Wegge
SPD
92 %
70 / 76 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Petra D. •

Ist es möglich, ihre Meinung zum Monitoring des NIPT zu überdenken?

Sehr geehrte Frau Wegge

sehr froh bin ich über die heutige Debatte über die NIPT im Bundestag. Als Gynäkologin beschäftige ich mich seid über 25 Jahren mit der Pränataldiagnostik und sie ist ein schwieriges Thema, da Frauen natürlich das Beste für ihr Ungeborenes Kind wollen. Die Zunahme des NIPS von 11% seit der Kassenzulassung und die Tatsache, dass der Test je jünger die Schwangere ist desto wahrscheinlicher „falsch positiv“ ist, dürfte Ihnen bekannt sein. Ich bitte sie, ihre Haltung nochmals zu überdenken, da ein Monitoring aus meiner Sicht überfällig ist.

Mit freundlichen Grüßen Dr. Petra L.

Portrait von Carmen Wegge
Antwort von SPD

Sehr geehrte Frau Dr. L.,

vielen Dank für Ihre Frage und dafür, dass Sie Ihre langjährige berufliche Erfahrung als Gynäkologin in die aktuelle Debatte einbringen. Ich weiß es sehr zu schätzen, wenn Menschen, die seit vielen Jahren in der Pränataldiagnostik arbeiten, sich an uns Abgeordnete wenden.

Die von Ihnen geschilderten Entwicklungen, die deutliche Zunahme der Inanspruchnahme seit der Kassenzulassung sowie die Problematik falsch-positiver Befunde gerade bei jüngeren Schwangeren, nehme ich sehr ernst. Auch ich halte es für wichtig, dass wir solide Daten zur tatsächlichen Praxis haben und dass Schwangere gut informiert und begleitet werden.

Trotzdem habe ich Bauchschmerzen mit der grundsätzlichen Intention des aktuell vorliegenden fraktionsübergreifenden Monitoring‑Antrags. Aus meiner Sicht geraten wir an eine Grenze, wenn der Staat nicht nur Versorgungsstrukturen und Beratung in den Blick nimmt, sondern vor allem die Entscheidungen von Eltern „für oder gegen ein Kind“ und die Geburtenraten von Kindern mit Trisomie 21 zum zentralen Prüfstein macht. Ich halte diese Entscheidung für zutiefst individuell und gewissensgebunden. Und ich finde, dass wir als Politik diese nicht bewerten oder in eine „richtige“ oder „falsche“ Richtung lenken dürfen.

Mir ist wichtig, beides deutlich zu sagen:

1.         Ich erkenne die Sorgen vieler Ärzt*innen, Eltern und Selbstvertretungen an, die vor einem faktischen Screening und vor gesellschaftlichem Druck warnen.

2.        Gleichzeitig verteidige ich das Recht jeder schwangeren Person, sich frei, nach guter und ergebnisoffener Beratung, für oder gegen einen NIPT zu entscheiden, ohne dass ihre Entscheidung statistisch normiert oder moralisch bewertet wird.

Ich werde meine Haltung deshalb nicht dahingehend ändern, dem vorliegenden Antrag in dieser Form zuzustimmen. Aber ich bin ausdrücklich offen dafür, an Verbesserungen mitzuwirken. Etwa an einer Stärkung der unabhängigen Beratung, an mehr Transparenz über Fehlerraten und Risiken sowie an einer Datenerhebung, die Versorgungsqualität und Beratungspraxis in den Blick nimmt, ohne elterliche Entscheidungen selbst zu problematisieren.

Der Austausch zwischen wissenschaftlicher, medizinischer Praxis und Gesetzgebung ist für mich gerade bei so sensiblen Fragen von großer Bedeutung.

Mit freundlichen Grüßen

Carmen Wegge

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Carmen Wegge
Carmen Wegge
SPD

Weitere Fragen an Carmen Wegge