Sehr geehrter Herr Brodesser, wie können wir die Weltuntergangsuhr wieder zurückdrehen?
Letzte Woche hat das Bulletin of the Atomic Scientists die Weltuntergangsuhr für 2026 veröffentlicht. Der Zeiger steht jetzt auf 85 Sekunden vor Mitternacht. Damit stehen wir näher vor dem globalen Zusammenbruch als je zuvor, sogar zu Zeiten des Kalten Krieges. Diese Einschätzung begründet das BAS mit dem steigenden Risiko eines Atomkrieges, der mangelnden Handlungsbereitschaft im Umgang mit der Klimakrise sowie neuartigen Risiken durch Biotechnologie und künstliche Intelligenz, alles verschärft durch die abnehmende Kooperationsbereitschaft der Großmächte.
https://thebulletin.org/doomsday-clock/2026-statement/
Wie versuchen Sie, diese Risiken zu mindern? Wie schätzen Sie die Aussichten ein?
Sehr geehrte Frau I.,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Die Feststellung, dass die Weltuntergangsuhr nun auf 85 Sekunden vor Mitternacht steht, erfüllt auch mich mit tiefer Sorge. Es zeigt unmissverständlich, dass wir uns in einer Phase multipler, sich gegenseitig verstärkender globaler Krisen befinden.
Wir alle sind in der Verantwortung, diesen Risiken mit Realismus, internationaler Standfestigkeit und klugen Rahmenbedingungen zu begegnen. Um die Uhr wieder zurückzudrehen, müssen wir an den von den Wissenschaftlern genannten Hauptpunkten ansetzen:
- Eindämmung des atomaren Risikos und geopolitische Stabilität
- Klimakrise global und wirtschaftlich vernünftig bekämpfen
- Regulierung von Künstlicher Intelligenz
Die Aussichten sind zweifellos herausfordernd, und es wäre unredlich, die Lage schönzureden. Der Spielraum für multilaterale Abkommen ist derzeit so eng wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Daher braucht es jetzt eine besonnene, aber entschlossene Politik, die auf Stärke, technologischen Fortschritt und die Wiederbelebung diplomatischer Kanäle setzt.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Carsten Brodesser, MdB
